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Digitale Helfer für gute Vorsätze:Rauchfrei dank Smartphone

Mit dem Rauchen aufhören, Sport treiben, mehr Zeit für die Familie: Die Hälfte der guten Vorsätze für 2012 wird schon in drei Monaten vergessen sein. Wer durchhalten möchte, dem helfen zahlreiche Web-Dienste und Apps dabei, sie in die Tat umzusetzen.

Der Klassiker unter den guten Vorsätzen für das neue Jahr: Mit dem Rauchen aufhören. Dafür greifen Menschen zu eigenartigen Methoden: Nikotinpflaster, Hypnose, E-Zigarette - der Markt bietet zahlreiche Produkte an.

Vergleichsweise günstig dürfte die iPhone-App "Rauchfrei Pro" ausfallen, die es für 79 Cent im App-Store gibt. Das Konzept: Der Nutzer gibt seinen durchschnittlichen Zigarettenkonsum samt Marke an - die Software berechnet, wieviel Geld in der rauchfreien Zeit gespart wurde.

Als weitere Motivationshilfe gibt die App Statusmeldungen aus, die die nicht gerauchten Zigaretten in verschiedene Statistiken umrechnen: "Hättest du gedacht, dass in den 3 Monaten seit du nicht mehr rauchst bereits 1.354.752 Menschen auf der Welt an den Folgen des Rauchen gestorben sind?", heißt es dort zum Beispiel.

In Sachen Orthografie und Optik ist "Rauchfrei Pro" noch verbesserungswürdig, aber die durchweg positiven Nutzer-Kommentare bescheinigen der Methode beachtliche Erfolge. Erhältlich ist die App bisher nur für das iPhone - Besitzer von Android-Modellen können aber auf ähnliche Programme wie "Rauchfrei", ebenfalls erhältlich für 79 Cent, zurückgreifen.

Mehr Sport treiben

"Mehr Sport treiben" ist einer Forsa-Umfrage zufolge der drittbeliebteste Vorsatz - passende Fitness-Apps gibt es viele. Trainingsabläufe planen, Gewichtsveränderungen verfolgen, ein Fitness-Tagebuch führen - alles praktische Apps, die aber nur bedingt motivieren.

Deutlich radikaler ist das Konzept von Gym-Pact: Nutzer können mit der Software eine Wette eingehen. Schaffe ich es dreimal die Woche ins Fitnessstudio? Wer die selbstgesteckten Ziele nicht erreicht, wird zur Kasse gebeten (mindestens fünf Dollar pro versäumtem Trainingstag). Was die Faulenzer zahlen, kommt den Fleißigen zugute: Das Geld wird unter denjenigen verteilt, die ihrem Trainingsplan mustergültig folgen.

Über einen "Check In"-Button teilt der Nutzer dem Programm mit, dass er sich in einem Fitnessstudio befindet - was die Software anschließend per GPS überprüft. Der Trainingstag gilt aber nur als erfüllt, wenn mindestens 30 Minuten trainiert wird. Bevor die Wette eingegangen wird, darf jeder selbst entscheiden, wie oft er trainieren möchte; allerdings ist ein Termin pro Woche das Minimum. Ausnahmen gibt es bei Urlaub oder Erkrankung - in letzterem Fall allerdings nur mit Attest.

Über den Gym-Pact-Launch zum Jahreswechsel berichtete sogar die New York Times. Die englischsprachige Software ist kostenlos und im Moment nur für iPhone und iPad erhältlich; Android und andere Systeme sollen aber in absehbarer Zeit auch unterstützt werden.

Gesünder leben

"Trinke täglich in der Früh ein Glas Wasser" - mit zehn einfachen Regeln wie dieser soll iJoule zu einem gesünderen Leben verhelfen. Die App macht aus dem iPhone einen Verhaltens-Coach, der sich in den Tagesablauf integriert, indem er an Regeln erinnert und dem Nutzer weiterführende Informationen dazu anbietet.

Das Beispiel geht entsprechend weiter: "Trinkst du ein großes Glas Wasser am Morgen verbrennst du bis zu 50 Kilokalorien mehr am Tag. Es dämpft übermäßigen Hunger und Appetit tagsüber. Es stoppt Müdigkeit und macht dich munter."

Wer mit der App abnehmen möchte, kann seine Gewichtsentwicklung verfolgen. iJoule schätzt auch den Körperfettanteil.

Das Programm ist nach Angaben des Herstellers international zertifiziert und kann als kostenlose Lite-Version oder zum Preis von 2,39 Euro als Full-Version im App-Store heruntergeladen werden. Eine Version für Android-Modelle ist in Planung.

Den Garten auf Vordermann bringen

Wer der Verwilderung des Gartens Einhalt gebieten möchte, greift auf "Garten Kalender" zurück. Die App verspricht einen Überblick über alle Aufgaben, die je nach Saison im Garten anliegen.

Die Tipps ("Im Juli Blumen in Gefäßen und Töpfen täglich gießen, verwelkte Blüten entfernen") sind vor allem für Anfänger hilfreich. Neben den idealen Pflegezeitpunkten einzelner Pflanzen stellt die App auch einen Nachrichtenticker mit Neuigkeiten und Geschichten rund um dem Garten bereit.

Der Garten Kalender ist für 2,49 Euro im App-Store zu bekommen und derzeit nur mit iOS nutzbar.

Passwörter sicherer gestalten

Viele IT-Experten würden sich wünschen, dass die Menschen ihre Passwörter sicherer gestalten - diesen Vorsatz fassen aber wohl nur wenige. Das liegt auch daran, dass viele die Gefahren eines lockeren Umgangs mit Sicherheit unterschätzen. Dabei zeigten zahlreiche Hacker-Angriffe 2011, wie wichtig es ist, zum Beispiel nicht für jeden Account die gleiche Kombination aus E-Mail-Adresse und Passwort zu verwenden. Allein beim Sony-Datendiebstahl erbeuteten Hacker die Daten von 77 Millionen Kunden, was für die Betroffenen besonders problematisch ist, wenn das verwendete Passwort auch für andere Dienste gilt.

Es wäre also ein guter Vorsatz für 2012, zumindest die wichtigsten Konten bei Facebook, Google, Ebay und Co. mit verschiedenen Passwörtern auszustatten. Da ein Passwort aber unsicher ist, wenn es nicht aus einer kryptischen Kombination von Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen besteht, geht die Übersicht schnell verloren.

Hier hilft das kostenlose, englischsprachige Programm KeePass, das sicherere Passwörter automatisch generiert und in einer verschlüsselten Datenbank sichert. Die Open Source-Software läuft auf allen Windows-Maschinen - für Mac und Linux müssen allerdings Zusatzprogramm wie Wine oder Mono installiert werden. Mit einem Plugin lässt sich das Programm direkt mit dem Browser verbinden.

Weniger Alkohol trinken

Ein anderer, beliebter Neujahrsvorsatz ist, weniger Alkohol zu trinken. Vor allem aufgrund des unspezifischen Ziels ist das aber oft leichter gesagt als getan. Die englischsprachige App DrinkLess könnte hier die nötige Unterstützung liefern: Sie protokolliert die getrunkenen Alkoholika und errechnet daraus die Alkohol-Konzentration im Blut.

Das ist sinnvoll, wenn am nächsten Morgen eine Autofahrt ansteht und noch Restalkohol vorhanden sein könnte - aber auch, um die eigenen Trinkgewohnheiten zu analysieren. Dazu speichert die App jede Trink-Aktivität in einem entsprechenden Tagebuch. Mit der Beantwortung einiger Testfragen kann der Nutzer dann prüfen, wie ungesund sein Alkoholkonsum tatsächlich ist.

Im Zweifelsfall gilt hier aber wie bei allen medizinischen Apps, dass die Software nur als Warnlampe, nicht als Therapeut verstanden werden sollte und eine gegebenfalls notwendige Behandlung nicht ersetzen kann. DrinkLess gibt es für 79 Cent im Android-Market.

Programmieren lernen

Gründe, Programmieren zu lernen, gibt es viele. Zur beruflichen Weiterbildung, um eigene Apps entwickeln zu können oder als Hobby; ein einfaches, kostenloses Kursprogramm hat Codecademy entwickelt. Im Browserfenster lernt der Nutzer Befehle kennen und kann sie direkt ausprobieren.

Als Motivationshilfe gibt es für jeden bestandenen Kurs ein Abzeichen, Fortschritte können genau nachvollzogen und mit Freunden geteilt werden. Bisher gibt es erst drei englischsprachige Kurse, die sich vor allem mit JavaScript beschäftigen - weitere sollen aber folgen.

Eine etwas größere Auswahl, die allerdings knapp 30 Dollar pro Kurs kostet, hat Programr. Der Service ist vor allem interessant, um eigene Programmierprojekte zu veröffentlichen oder sich von anderen Nutzern inspirieren zu lassen.

Nachhaltiger konsumieren

Viele Menschen würden gerne Kleinigkeiten an ihrem Lebensstil ändern, um die Erde auch für zukünftige Generationen zu bewahren. EcoChallenge macht daraus ein Spiel: Wöchentlich zwei neue Herausforderungen erwarten den Nutzer, der seine Erfolge mit Freunden teilen und vergleichen kann.

Eine Aufgabe ist zum Beispiel, ein Abendessen für Freunde ausschließlich mit heimischen Zutaten zuzubereiten - die App liefert gleich Rezeptideen. Dazu beantworten Kalkulatoren Fragen wie "Wieviel CO2 verursacht mein Fleischkonsum?"

Die vom Land Brandenburg geförderte und bereits preisgekrönte App gibt es gratis im App-Store - bislang nur für das iPhone.

Im Netz die Etiquette wahren

"Ja, man darf auf Twitter auch Leuten 'folgen', die man nicht persönlich kennt" - Benimmregeln, wie sie im "Knigge" stehen, gibt es längst auch für die digitale Welt. Empfehlenswert sind die 101 klaren und zuweilen auch humorvollen Leitlinien von eEtiquette.de.

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