Copyright-Debatte Frage 3: Wer trägt die gesellschaftlichen Kosten?

Wer als Jurist nach einer schnell wachsenden Branche sucht, ist im früher eher randständigen Bereich des Urheberrechts gut aufgehoben. 190 Millionen Euro hat die sogenannte Abmahnindustrie 2011 eingenommen, sagt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club. Die Tatsache, dass die Gesellschaft sich nicht darüber einigen kann, wie sie konstruktiv mit den Folgen der Digitalisierung umgehen will, kennt nur zwei Gewinner: Juristen und die zu Recht kritisierten global agierenden Internetkonzerne.

Während in Deutschland eine Debatte darüber geführt wird, wie man die gesellschaftliche Realität der Digitalisierung bewerten möchte, bauen jene bereits ihre Geschäfte auf. Das ist ein wenig so, als fordere man eine Aktuelle Stunde im Bundestag, in der über die moralische Bewertung des Regens diskutiert wird, während draußen die Menschen nass werden. Das beste Mittel dagegen kann nicht sein, höhere Strafen für schlechtes Wetter zu fordern. Das beste Mittel gegen Piraterie ist ein gutes, legales Angebot.

Welches Verhältnis entwickeln Menschen, die Abmahnschreiben im Namen der Künstler erhalten, zu den Kreativen und ihren Werken? Diese Frage hat FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher kürzlich gestellt. Als Staatsbürger muss man überdies fragen: Welches Verhältnis entwickeln diese Menschen zu den Gesetzen ihres Landes? Die Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Guy Kirsch und Volker Grossmann glauben: "Gesetze, die dem Rechtsempfinden zuwiderlaufen, sind auf die Dauer nicht durchzusetzen; mehr noch: Sie zerstören den Glauben an die Gesetzlichkeit."