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Copyright-Debatte:Frage 1: Was ist überhaupt das Problem?

Zwar wird seit mehreren Wochen heftig diskutiert, klar scheint in der Debatte aber einzig: Auf beiden Seiten gibt es Stimmen, die nicht genau benennen können, worum überhaupt gestritten wird. Es geht um ausbleibende Bezahlung für Kunst und ums digitale Kopieren. Ob es zwischen diesen beiden Tendenzen einen Zusammenhang gibt, lässt sich aber nicht stichhaltig nachweisen.

Selbst der Kölner Jura-Professor Rolf Schwartmann, der im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums das Thema bearbeitet hat und zum Schluss kam, man müsse härtere Strafen durchsetzen, schreibt in seinem Gutachten ( pdf hier): "Ein direkter Zusammenhang zwischen der Nutzung illegaler Kopien und dem Rückgang der Umsatzzahlen liegt nahe, ist aber nur sehr schwer nachzuweisen."

Vielleicht hat der schrumpfende Umsatz also auch andere Ursachen: zum Beispiel diese, dass das Konzept des Musikalbums nicht mehr wirtschaftlich ist. Wer ein einzelnes Lied kaufen möchte, muss dafür nicht mehr ein ganzes Dutzend erwerben. Wenn dem so ist, helfen Vorwürfe gegen die moralische Schlechtigkeit der Nutzer ("Gier" und "Geiz" stehen im Raum) nur wenig, um zu den Umsätzen der 1990er Jahre zurückzukehren.

Sie lenken lediglich publikumswirksam davon ab, dass man selber (noch) keine Ahnung hat, wie konstruktive neue Modelle aussehen könnten. Diese werden unterdessen von Anbietern wie Amazon und Apple auf- und ausgebaut, die sich dafür ein großes Stück vom Kuchen nehmen. Ein weiterer Grund, weshalb er heute vielleicht kleiner ist als früher.