Computerspiel "Die Siedler" "Es wird so wuselig werden wie nie zuvor"

"Die Siedler" kehrt zurück: Acht Jahre nach Erscheinen des siebten Teils entwickelt Ubisoft ein neues Spiel.

(Foto: dpa-tmn)

Es war die Überraschung der Gamescom: Die Siedler-Reihe wird nach acht Jahren Pause fortgesetzt. Der Erfinder erzählt, was die Faszination ausmacht und worauf sich Fans freuen können.

Interview von Caspar von Au, Köln

Das Wort "wuselig" hat es in die englische Sprache geschafft. Das sei der Spielereihe "Die Siedler" zu verdanken, sagte Blue-Byte-Chef Benedikt Grindel bei der Eröffnung der Gamescom. Zumindest Fans des Aufbau-Strategiespiels kennen den Ausdruck. Die Siedler-Reihe gehört zu den erfolgreichsten deutschen Computerspielen. 2019 soll eine Fortsetzung erscheinen, darüber werden sich vor allem etwas ältere Gamer freuen. Insbesondere die Teile eins bis drei erlangten in den Neunzigern Kultstatus.

Kennzeichen der Marke sind die mit viel Liebe zum Detail visualisierten Arbeitsschritte der einzelnen Siedler, die auf dem Bildschirm herumwuseln. Mit dem neuen Spiel kehrt auch Volker Wertich zu der Reihe zurück, der das Spielkonzept erfunden und Die Siedler (1993) und Die Siedler III (1998) entwickelt hat.

SZ: Was bedeutet es für Sie, dass Sie nach zwanzig Jahren zu Ihren Wurzeln zurückkehren und ein neues Siedler-Spiel entwickeln?

Volker Wertich: Wieder mit Ubisoft Blue Byte zusammenzuarbeiten, fühlt sich wie eine Rückkehr an. Ich denke immer wieder gerne an die alten Zeiten in Mülheim an der Ruhr zurück. Die Siedler liegen mir natürlich besonders am Herzen. Als unser Trailer bei der Gamescom-Eröffnung gezeigt wurde, war das ein sehr emotionaler Moment für mich. Da hatte ich feuchte Augen. Seit zwei Jahren arbeiten wir daran, das neue Die Siedler zu erschaffen. Das Team, das um dieses Spiel herum entstanden ist, ist unglaublich. Ich denke, das bisherige Ergebnis spricht für sich.

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Nach Die Siedler 7 gab es noch zwei Online-Spiele für den Browser und zuletzt acht Jahre Pause. Die Fortsetzung soll dagegen wieder ein Echtzeit-Strategiespiel der alten Schule werden. Warum?

Es ist nicht so, dass wir mit dem Spiel wieder old-school gehen. Das wäre, glaube ich, die falsche Ausdrucksweise. Es gibt Prinzipien in Die Siedler, die das Spiel ausmachen. Wir besinnen uns, was das ist und bauen darauf ein eigenes Spiel auf.

Was sind das für Prinzipien?

Erstens: What you see, is what you get. Jeder Vorgang, jeder Transport, jede Produktion ist für den Spieler sichtbar. Außerdem ist es ein systemisches Spiel. Sehr viele Spielsysteme, wie das Transportsystem und das Nahrungssystem, greifen ineinander...

Volker Wertich: "Siedler ist nicht in einem Satz zu erklären."

(Foto: Ubisoft/PR)

Damit meinen Sie, dass im Spiel Holzbretter und Steine zur Baustelle transportiert werden müssen, bevor dort ein Haus gebaut werden kann. In Die Siedler III arbeiten Minenarbeiter nur, wenn sie zum Beispiel Brot in die Mine geliefert bekommen. Dafür braucht es wiederum Getreidefarmen, Windmühlen, Bäckereien und sogar ein Wasserwerk. Das ist in den meisten Strategiespielen anders.

Das führt zu einer entsprechenden Spieltiefe. Der Spieler gibt übergeordnete Kommandos, womit wir beim dritten Punkt wären. Die zahlreichen Siedler sind halbwegs intelligent. Der Spieler muss also nicht die einzelne Figur steuern, sondern er gibt den Bau eines Gebäudes in Auftrag oder schickt seine Armee irgendwohin. Dann führen 10 oder 100 oder noch mehr Siedler diese Aufträge aus. Der nächste Punkt ist der Aquarium-Effekt: Es macht sehr viel Spaß, diese Welt einfach nur zu beobachten. Fünftens hat der Spieler große Freiheiten, es gibt sehr viele Strategien, um zu gewinnen. Wir sind kein hektisches Spiel, in dem der Spieler die Maus besonders geschickt bedienen muss. Es geht darum, das Spiel zu beobachten, nachzudenken und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Auf der Gamescom kann man die Teile eins bis vier ausprobieren, die mit allen bisherigen Teilen im November neu erscheinen. Obwohl ich früher Die Siedler II gespielt habe, fand ich es nicht leicht, mich sofort zurechtzufinden. Wie haben sich Strategiespiele in den vergangenen 25 Jahren verändert?

Die zugrundeliegenden Mechaniken sind zeitlos. Wenn es vor zehn Jahren spannend war, kann es das heute noch genauso sein. Aber die Zugänglichkeit der Spiele hat sich verändert. Als ich damals das erste Siedler entwickelt habe, haben wir ein Interface gebaut, damit alle Funktionen überhaupt vorhanden sind. Auf Zugänglichkeit haben wir nicht geachtet, insbesondere durch Smartphones hat sich das verändert. Damals haben wir uns in diese Spiele reingearbeitet, heute ist die Hemmschwelle der Spieler wesentlich größer. Wenn wir das nicht verbessern, würden sich die Leute gar nicht erst das Spiel so genau angucken. Das ist eigentlich eine positive Entwicklung.

Machen Sie es sich nicht ein bisschen einfach, anstelle neuer Ideen ein altes Konzept wiederzubeleben?

Es gibt eine unglaublich große Gemeinde an Spielern, die einen oder mehrere Siedler-Teile liebte und darauf wartet. Wir sehen das am ersten Feedback nach der Ankündigung. Auch außerhalb von Deutschland sagen sehr, sehr viele Spieler: Ich bin in meiner Kindheit mit Siedler 1, 2 oder 3 aufgewachsen und meine Träume werden wahr. Die Serie hat einen würdigen Nachfolger verdient.

Was begeistert die Massen an Die Siedler?

Das gibt es nicht einen einzigen Aspekt. Es ist diese einzigartige Kombination, die zu dem Spielerlebnis führt. Im Marketing stellt das für uns ein Problem dar: Siedler ist nicht in einem Satz zu erklären.

Versuchen Sie es trotzdem.

Das Besondere ist, dass alles, was in den Spielregeln festgelegt ist, dem Spieler gezeigt und dargestellt wird.

Wie unterscheidet sich das neue Spiel von den bisherigen Siedler-Spielen?

Wir bauen alle bekannten Systeme, wie etwa die erwähnten Transport- und Nahrungssysteme, neu ein. Dadurch werden sie anders sein, als man sie von früher kennt. Aber wir erweitern sie sinnvoll, so wie es zu Siedler passt. Dazu kommen einige neue Systeme. Zum Beispiel gibt es ein Ehrensystem, in dem man Helden trainieren und in einer Arena gegen Helden des Feindes antreten lassen kann. Gegnerische Zuschauer lassen sich möglicherweise davon überzeugen, dass die Fraktion des Spielers die bessere ist, und laufen über. Das Nahrungssystem wird viel ausgefeilter sein: Bewohner von Wohnhäusern gehen auf dem Markt einkaufen, bringen den Einkauf nach Hause, bereiten dort ein Essen zu und liefern es bei den Handwerkern ab. Es wird so wuselig werden wie es Die Siedler noch nie war.

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