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Angriff auf Heftig, Buzzfeed und Upworthy:Facebook gegen Klickfängerei

Sie verbreiten seichte Unterhaltung mit reißerischen Worten: Webseiten wie Heftig, Buzzfeed und Upworthy sind für ihre Überschriften berüchtigt. Jetzt will Facebook gegen die Klickfängerei vorgehen. Ob das klappt, ist fraglich.

  • Facebook geht gegen Webseiten vor, die auf reißerische Überschriften setzen.
  • Das Phänomen ist als Clickbaiting bekannt.

Sie werden nicht glauben, was es in diesem Artikel zu lesen gibt. Spätestens der vorletzte Absatz wird sie umhauen. Glauben Sie nicht? Dann herzlichen Glückwunsch, Sie sind nicht auf die Masche hereingefallen, die zuletzt immer mehr Online-Medien nutzten, um Besucher auf ihre Webseite zu locken. Clickbaiting heißt das Phänomen, zu Deutsch so viel wie Klickfängerei. Bislang nutzen Medien es vor allem, um in sozialen Netzwerken an Klicks zu gelangen. Das Prinzip ist einfach: Artikel werden in wenigen Sätzen so angepriesen, dass der Leser einen möglichst großen Klickanreiz verspürt.

Facebook ändert seinen Newsfeed-Algorithmus

Künftig allerdings könnten sich solche Überschriften für Webseiten-Betreiber deutlich weniger lohnen. Das größte soziale Netzwerk Facebook hat angekündigt, fortan gegen Clickbaiting-Webseiten vorzugehen. Der Algorithmus, der bestimmt, was im Newsfeed der Nutzer angezeigt wird, sei so verändert worden, dass solche Webseiten den Nutzern seltener angezeigt würden:

  • Facebook bezieht künftig die Verweildauer auf einer Webseite mit ein. Klickt ein Facebook-Nutzer auf einen Link und kehrt bereits nach kurzer Zeit wieder zu Facebook zurück, wertet Facebook das als Anzeichen schlechter Qualität. Wer dagegen Inhalte liefert, die den Leser länger beschäftigen, wird belohnt.
  • Artikel, die oft angeklickt, aber verhältnismäßig selten diskutiert oder weiterverbreitet werden, rutschen in der Hierarchisierung künftig ebenfalls weiter nach unten. Das trifft ebenfalls sogenannte Clickbaiting-Webseiten, da sie zwar zum Klicken animieren, die tatsächlichen Inhalte aber oft nicht so spektakulär sind wie versprochen.

Klick-Köderei als Teil der Klick-Ökonomie

Für den Erfolg von Clickbaiting-Webseiten sind vor allem zwei Faktoren verantwortlich:

  • Die meisten Online-Medien finanzieren sich über Werbung und deren wichtigste Messgröße ist noch immer die Zahl der Klicks. Wer es also schafft, viele Klicks zu generieren, kann damit Geld verdienen, weitgehend unabhängig von der Qualität der Inhalte.
  • In sozialen Netzwerken kämpfen Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Marken, Medien und Werbung gleichzeitig um die begrenzte Aufmerksamkeit der Nutzer. Wer da möglichst spektakuläre und skurrile Überschriften liefert, gewinnt am ehesten Klicks.

Sie heißen Heftig, Buzzfeed und Upworthy

In den USA sind vor allem die Internetseiten Buzzfeed und Upworthy für ihre ungewöhnlichen Überschriften bekannt. Die bekannteste deutschsprachige Clickbaiting-Seite ist Heftig.co. Die Webseite hat mehr als eine Million Facebook-Fans und setzt ausschließlich auf Inhalte, die für die Verbreitung in sozialen Netzwerken gedacht und damit leicht verständlich und oftmals emotional sind. Wie stark die Seite allerdings unter der Algorithmen-Änderung bei Facebook leiden wird, bleibt abzuwarten. Denn die Inhalte der Seite werden nicht nur von Heftig selbst verbreitet. Auch die Nutzer beteiligen sich daran: Laut dem Analysedienst 10 000 Flies war zuletzt nur ein deutsches Medium in den sozialen Netzwerken erfolgreicher: die Webseite der Bild-Zeitung.

© Süddeutsche.de/pauk/hatr/jasch
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