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30 Jahre E-Mail in Deutschland:Das Zauberwort heißt Selbstbeherrschung

Internet-Pionier Michael Rotert

30 Jahre nachdem er sie empfangen hat, kann Internet-Pionier Michael Rotert seine erste E-Mail immer noch zeigen. Es war die erste, die in Deutschland ankam.

(Foto: dpa)

Weniger ist mehr

Nicht nur auf die Länge kommt es an, sondern auch auf die Menge. Wer Freunde und Kollegen ständig mit kleinen Hinweisen, "lustigen" Links und unnötigen Antworten versorgt, muss sich nicht wundern, wenn sein eigenes Postfach überquillt.

Klar, es war schon lustig, als die Mitarbeiter des Bundestags die Mail-Server der Volksvertretung am Ende sogar lahmlegten, weil sie immer wieder mit "Allen antworten" auf eine versehentlich an das gesamte Haus verschickte Mail einer Kollegin antworteten. Aber mal ehrlich: Nicht jede Nachricht muss bestätigt werden, nicht jede Antwort erfordert eine Replik und schon gar nicht muss jedes neue Katzen-Video im gesamten Büro verteilt werden.

Vorsicht mit Vertraulichem

Auch wenn es sich ein wenig so anfühlt - eine Mail ist kein elektronischer Brief. Viel mehr ähnelt sie einer Postkarte, weil ein digitaler Briefumschlag fehlt. Im Klartext: Die Mail verkehrt offen durch das Netz und kann auf dem Weg vom Absender zum Empfänger sehr leicht aus dem digitalen Datenstrom herausgegriffen und auch von Unbefugten problemlos gelesen werden.

Wer also sensible persönliche oder geschäftliche Daten verschicken möchte, sollte auf Sicherheit achten. Die kann einerseits dadurch erhöht werden, indem der Mailserver eine verschlüsselte Verbindung zum eigenen Rechner aufbaut. Das geschieht meist automatisch, die Webadresse beginnt dann mit https:// statt dem normalen http://.

Wer besonders Vertrauliches übermitteln will, sollte Mails oder Dateien zudem selbst verschlüsseln, etwa mit Hilfe von GPG4Win. Hinter dem kryptisch klingenden Namen steckt ein kostenloses Programmpaket, das unter anderem eine Zusatzfunktion für Outlook enthält. Damit lassen sich Nachrichten dort direkt mit dem persönlichen Schlüssel des Empfängers codieren und eingehende Nachrichten mit dem eigenen Schlüssel öffnen. Das setzt aber natürlich voraus, dass auch das Gegenüber das System nutzt.

Konsequent abschalten

Wer sein Postfach ordentlich organisiert hat, kann sich auch mal aus dem Nachrichtenstrom ausklinken - und das konsequent. Denn ständige Erreichbarkeit ist schädlich. So ergab eine Umfrage der Krankenkasse Barmer GEK unter Führungskräften im mittleren Management, dass zwei Drittel der Befragten sie als gesundheitliche Belastung empfinden.

Am Stress ist aber keineswegs immer nur der Chef Schuld. Natürlich ist es schwierig, einen Anruf auf dem Dienst-Handy zu ignorieren - auch wenn Feierabend oder Wochenende ist. E-Mails zu checken ist aber eine aktive Entscheidung.

Deshalb ist Selbstdisziplin gefragt. Bevor es ins Wochenende oder den Urlaub geht sollte ein Abwesenheitsassistent eingerichtet werden, der eine automatische Antwort auf jede Mail schickt. Darin sollte vermerkt sein, wie lange man außer Haus ist, ob man sein Postfach in der Zwischenzeit gar nicht oder zumindest sporadisch prüft und wer inzwischen in dringenden Fällen kontaktiert werden kann. Danach muss man sich "nur" noch an die eigenen Ankündigungen halten.

© Süddeutsche.de/sry/luk
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