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Universität Freiburg:Wie die Ex-Elite-Uni um Gelder kämpft

Die Universität Freiburg hat die Förderung für ihr Exzellenzinstitut verloren. Die Spitzenforscher bereiten die Abwicklung vor - und hoffen auf Rettung vom Land.

Manche Sinnsprüche verraten erst nach Jahrzehnten ihre Pointe. So ist es mit dem Satz, den die Pathologen ihren Forscherkollegen vom Freiburg Institute for Advanced Studies (Frias) hinterlassen haben. Er prangt an der Wand des einstigen Mediziner-Hörsaales: Media morte in vita sumus - mitten im Tode sind wir vom Leben umgeben, heißt es da in Verkehrung eines alten Lateiner-Spruchs. Das passte gut zu den Leichen, die hier seziert wurden - inmitten neugieriger Studenten.

Exzellenz-Initiative

Das sind Deutschlands Elite-Unis

Heute trifft es auch die Lage des Frias, das durch eine Entscheidung in der Exzellenzinitiative seit kurzem dem Tode geweiht ist, dessen Wissenschaftler aber nach wie vor in den Büros rundherum werkeln, als gelte es noch, Meisterwerke zu vollenden - bis das Ende naht oder zumindest Teile dieses Organismus aus Forscherwesen amputiert werden müssen. Wie es ausgehen wird, steht noch nicht fest.

Jedenfalls betritt die Universität Freiburg derzeit Neuland, zusammen mit Karlsruhe und Göttingen hat sie Mitte Juni erstmals den Titel der Elite-Universität verloren und damit fast elf Millionen Euro Fördergeld im Jahr. In der Exzellenzinitiative verteilten Bund und Länder gut zwei Milliarden Euro an die Universitäten, die größte Beachtung fand der Elite-Titel, der offiziell am "Zukunftskonzept" der Universität hängt.

In Freiburg sah man die Zukunft im Frias - einem Institut, das die Stärken der Uni förderte, indem es Wissenschaftler aus Freiburg und der ganzen Welt forschen ließ; befreit von der Pflicht, Vorlesungen zu halten oder Seminararbeiten zu korrigieren. 80 Wissenschaftler machten sich an die Aufgabe, in vier "Schools" für Geschichte, Lebenswissenschaften (wie Medizin), Sprache & Literatur sowie Soft Matter Research, was in etwa "Forschen an weichen Stoffen" bedeutet. Doch das Konzept überzeugte die Jury des Exzellenzwettbewerbs nicht mehr.

Für Freiburg bedeutet dies: Die Universität muss eines der größten Forschungsinstitute der Welt nun abwickeln - oder doch noch irgendwie retten. Wie macht man das?

Das Frias-Hauptgebäude liegt am Rande der Freiburger Innenstadt, in einem renovierten Zweckbau haben die Forscher ihre Heimat gefunden. Im zweiten Stock sitzt Werner Frick, Literaturprofessor und Sprecher des Frias-Direktoriums zusammen mit seinem Stellvertreter Hermann Grabert aus der Physik. Wer sie nach der Zukunft fragt, muss zunächst über die Vergangenheit sprechen, denn die hat die beiden Forscher noch nicht losgelassen. Den Besuch der Jury hätten sie noch in "fast euphorischer Stimmung" erlebt, sagt Frick, dann kam die Absage vom Wissenschaftsrat, der die Exzellenzentscheidung verantwortet. Es folgten "harte Wochen", wie Frick es nennt, an der Universität wies man sich gegenseitig die Schuld zu für die Niederlage, ohne dass die Gründe genau bekannt waren.