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Elite-Unis der Exzellenzinitiative:Die neue Königsklasse

Früher war Konstanz eine kleine Uni unter vielen. Die erste Exzellenzinitiative hat sie auf Augenhöhe mit München und Berlin befördert. Die zweite Exzellenzinitiative hat Konstanz als Elite-Uni bestätigt - und fünf weitere Unis geadelt. Es geht um die Ehre - und um sehr viel Geld.

Rudolf Schlögl hat es geahnt. Schon am Tag vor der großen Entscheidung in Bonn rutscht ihm raus, dass er und seine Professoren-Kollegen sich am Freitag im Rektorat versammeln und dann "etwas feiern" werden. Dann bremst sich der Geschichtsprofessor an der Universität zu Konstanz. Es komme natürlich darauf an, was in der Mail stehe, auf die sie gemeinsam warten werden, sagt er.

Elite-Universität

Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, freut sich über die Aufnahme der Hochschule in die Reihe der sogenannten Elite-Universitäten in der zweiten Phase der Exzellenzinitiative.

(Foto: dapd)

In der elektronischen Post teilen die hohen Damen und Herren des Bewilligungsausschusses - der Runde von Wissenschaftlern und Forschungsministern aus Bund und Ländern, die am Freitag in Bonn tagte - den Unis mit, ob sie Geld und Titel behalten dürfen.

Seit 2007 tragen die Konstanzer die begehrte Bezeichnung "Elite-Uni", und nun ist entschieden: Sie dürfen ihn behalten. Am Beispiel von Konstanz lässt gut zeigen, was das bedeutet. Früher war Konstanz eine kleine Uni unter vielen, gut 10.000 Studenten, am Südrand der Republik. Die Exzellenzinitiative hat sie emporgehoben, auf Augenhöhe mit den großen wie den beiden Münchnern oder der FU Berlin. Konstanz ist die kleinste unter den Elite-Unis. Doch seitdem sie diese akademische Goldmedaille trägt, wollen vermehrt Forscher aus dem Ausland hier arbeiten, Stiftungen bieten ihre Förderung an.

Allein Schlögl und seine Kollegen bescherte die Exzellenzinitiative seit 2006 im Schnitt sechs Millionen Euro jährlich für ihr Großprojekt zum Thema "Kulturelle Grundlagen von Integration". In dem sogenannten Exzellenzcluster forschen etwa 120 Wissenschaftler, zum Beispiel zur Integration von Deutschen in der nahen Schweiz. "Wir haben fünf Jahre ordentliche Wissenschaft gemacht", sagt Schlögl gelassen. Das Leben an der Elite-Uni, es macht selbstbewusst. Und es schafft Stellen: An der Förderentscheidung hängen 70 Mitarbeiter - Forscher mit Zeitvertrag, Habilitierende, Doktoranden.

Nun hat es statt Konstanz ausgerechnet das Vorzeigeprojekt in Karlsruhe erwischt. Dort hatte man erstmals eine Landes-Universität mit einem Helmholtz-Zentrum, das vom Bund finanziert wird, zusammengeschlossen. Den Elite-Anspruch führte das neuartige Gebilde schon im Namen: Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT, angelehnt an das legendäre amerikanische MIT (Massachussetts Institute of Technology).

Die Fusion galt als wegweisend für die künftige, gemeinsame Spitzenforschung von Bund und Ländern. Und nun hat man dem KIT den Elite-Status wieder abgenommen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) versuchte, die Entscheidung zu relativieren. Es liege nicht am Gesamtkonzept der Hochschule, sondern an formalen Gründen, sagte sie. Die Karlsruher konnten die Prüfer mit ihrem Exzellenzcluster nicht überzeugen. Ein solches ist aber Voraussetzung dafür, eine Elite-Uni zu sein.

Auch die bisherigen Spitzenunis Freiburg und Göttingen verlieren ihren Titel. Besonders hart trifft es damit Hochschulen in Baden-Württemberg, dem Land, das bisher besonders brillierte. Auffällig ist, dass bisher benachteiligte Regionen profitieren: der Norden mit der neuen Eliteuni Bremen und der Osten mit Dresden. Die dortige Hochschule hatte für sich als "Synergie-Universität" geworben, mit Schwerpunkten in Biomedizin, Biophysik und Medizin.

Die Forschungsorganisationen hatten stets beteuert, man entscheide nur nach wissenschaftlichen Maßstäben. Doch die Minister neigen dazu, einen Regionalproporz durchzusetzen und möglichst viel für ihr Land herauszuholen. Dies zeigte sich in der ersten Exzellenzrunde 2006/07. Auch diesmal diskutierten Wissenschaftler und Minister lebhaft, berichten Teilnehmer - insbesondere über die Herabstufung von Karlsruhe. Stoff für Debatten boten auch die Neubewerber Köln und Tübingen, die es beide schafften. Letztlich sei man den Empfehlungen der Wissenschaftler gefolgt, versicherte Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU).

Damit schafft es Baden-Württemberg trotz der Niederlagen für Karlsruhe und Freiburg erneut an die Spitze der Bundesländer, wenn man neben den Elite-Titeln die Gesamtförderung betrachtet. An zweiter Stelle stehen Bayern und Nordrhein-Westfalen. Der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) zeigte sich sehr zufrieden. "Bayern hat sich bei der Förderung um 30 Prozent gesteigert, wir dürften in der jetzigen Runde mehr als 400 Millionen Euro Förderung erhalten", sagte Heubisch der Süddeutschen Zeitung. Bundesweit werden von der Förderung 99 Projekte an 39 Universitäten unterstützt.

Die Elite-Uni Konstanz ist übrigens weiter gewachsen, sie kann eine weitere Graduiertenschule für Nachwuchswissenschaftler einrichten. Professor Schlögl will nun weiter die Rolle der Religion in der Gesellschaft erforschen. Doch am Freitag feierte er mit seinem Rektor und mit Studenten. Im Uni-Hof gab es Freibier und Bockwurst.

Exzellenz-Initiative

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