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Studienfinanzierung:Die Schuldenfalle

Viele Hochschüler fürchten Kredite. Sie sollten genau kalkulieren - sonst droht ein dickes Minus.

Claudia Blümhuber blickt gerne in die Zukunft. Drei Jahre nach ihrem Studium hat sie eine feste Stelle als Redakteurin, ihr Gehalt ist immerhin ausreichend und die Arbeit genau das, was sie immer machen wollte. Nur manchmal kommt ein Stich: Dann, wenn im Hintergrund die 10.000 Euro Schulden auftauchen, die sich während ihres Studiums angehäuft haben. "Aber die nehme ich in Kauf", sagt sie. "Denn sonst hätte ich gar nicht studieren können."

Sparende Studenten, dpa

Teures Studium: Doch auch wenn die Konditionen für Kredite günstig sind, bleiben die Schulden.

(Foto: Foto: dpa)

Die 32-Jährige hat ihr Literaturwissenschaftsstudium mit Hilfe von Bafög finanziert. Sechs Semester Höchstsatz: 585 Euro pro Monat. Im kommendem Wintersemester wird er auf monatliche 643 Euro angehoben. Auch die Zugangsvoraussetzungen verbessern sich: Der Freibetrag, den man selbst oder die Eltern verdienen dürfen, während man Bafög bezieht, wird erhöht.

Schonfrist bis zum ersten Verdienst

Seit vor drei Semestern an den meisten Hochschulen die Studiengebühren eingeführt wurden, werden Bafög, Studienkredite oder Bildungsfonds immer attraktiver. Der Vorteil bei den meisten dieser speziellen Kredite: oft muss nur ein Teil des Geldes zurückgezahlt werden, zu vorher festgelegten, niedrigen Zinsen und mit einer Schonfrist bis zum ersten Verdienst. Doch auch wenn die Konditionen günstig sind: Die Schulden bleiben.

Claudia Kurzbuch, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung, erwartet die ersten Studenten mit Problemen bei den Ratenzahlungen ungefähr zwei Jahre nach ihrem Abschluss. Noch suchten nur wenige Hilfe, Studienkredite und Bildungsfonds seien zu neu, die Studenten noch in der Bezugsphase und nicht in der Rückzahlphase. "Aber die Arbeitswelt ändert sich. Es gibt ja kaum noch Stellen, in denen man gleich zu Beginn ein gutes Gehalt bekommt", so die Schuldnerberaterin.

Klassiker Bafög

Der Klassiker zur Studienfinanzierung ist immer noch Bafög: Die Förderung ist zinslos und muss nur zur Hälfte, höchstens bis 10.000 Euro, zurückgezahlt werden. Die Tilgung erfolgt in monatlichen Raten über 25 Jahre, und die Schulden werden, findet man nach dem Studium keine Anstellung, erst einmal gestundet. Erst vier Jahre nach Studienabschluss muss überhaupt mit der Rückzahlung begonnen werden. Trotz der Vorteile kommt bei Claudia Blümhuber manchmal dieser Stich: "Ich ziehe gerade um und werde eine höhere Miete haben. Da frage ich mich manchmal schon, wie das mit den Rückzahlungen wird."

Neben dem Bafög wurden 2007 110.000 Studienkredite und Darlehen bei den verschiedenen staatlichen und privaten Anbietern aufgenommen. An der Spitze steht dabei der KfW-Studienkredit. Er wurde im vergangenen Jahr 18.000-mal bewilligt. Lokale Angebote wie die von Sparkassen, Volks- oder Raiffeisenbanken wurden weit weniger nachgefragt. Die meisten Privatbanken verkaufen deshalb den Kredit der KfW. Nach dem Ende des Studiums gibt es bei der KfW eine Schonzeit von bis zu 23 Monaten, in der nichts zurückgezahlt werden muss. Anschließend werden die Raten innerhalb von 25 Jahren fällig, wobei der Zinssatz variabel ist und sich an den jeweiligen Kapitalmarktzinsen anpasst. Er kann also fallen aber auch steigen, jedoch nicht über eine festgelegte Obergrenze von derzeit 8,9 Prozent.

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