Studie zu Schulessen:Qualität des Schulessens wird oft nicht kontrolliert

Als wichtigste Kriterien zur Auswahl der Anbieter von Schulverpflegung, meist Cateringunternehmen und externe Lieferanten, nennen die befragten Schulträger Qualität und Preis. Eine Qualitätskontrolle führen viele Kommunen aber nicht durch. Nur das Bundesland Berlin hat bislang eine übergeordnete Kontrollstelle geschaffen, die personell auch so ausgestattet werden soll, dass eine Qualitätskontrolle realistisch erscheint.

Im Zuge der Veröffentlichung der Studie will sich Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) nun für besseres Schulessen einsetzen. Es solle verbindliche Qualitätsstandards und einen "Ernährungs-TÜV" geben, der präzise Vorgaben mache und deren Einhaltung auch kontrolliere, sagte Schmidt im Deutschlandradio Kultur. Dem Fernsehsender n-tv sagte der Minister: "Die Untersuchung zeigt: Es ist manches ganz gut, das will ich nicht bestreiten. Aber wir wissen alle, nur von Pizza und Nudeln alleine wird der Jugendliche und das Kind zwar satt, aber nicht ausreichend ernährt."

Nicole Maisch und Özcan Mutlu von den Grünen kritisieren, dass die Bundesregierung zu wenig Geld in den Ausbau der Schulverpflegung investiere und Kommunen mit der Aufgabe alleine lasse. Neben der Einhaltung der DGE-Standards solle auch ein Bioanteil von 30 Prozent im Schulessen gewährleistet sein.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert, bei Schulkantinen und Anbietern von Schulverpflegung alle Ergebnisse amtlicher Lebensmittelkontrollen öffentlich zu machen. Es sei ein Unding, dass Lehrer und Eltern nicht darauf zugreifen könnten, um den vertrauenswürdigsten Lieferanten für das Schulessen der Kinder zu ermitteln, sagte der stellvertretende Foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Die Behörden wüssten, wie es um die Hygiene in Schulküchen und bei Zulieferern bestellt sei. Der Bund solle die Länder daher zu einer Veröffentlichung der Ergebnisse verpflichten.

Kinderhilfswerk regt Kochkurse für Schüler an

Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes muss es bei der Schulverpflegung ein generelles Umdenken geben. "Ernährungs- und Gesundheitsbildung von frühester Kindheit an sind eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Entwicklung unserer Kinder", sagte Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes. Fast 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland fänden es gut, in einer Schulküche kochen zu lernen. Aber nur jeder Fünfte habe bisher in der Schule schon einmal gekocht.

"Grundsätzlich sollten wir weg von Großküchen, stärker auf dezentrale Lösungen setzen und diese auch finanziell unterstützen. Wir müssen sicherstellen, dass im Ganztagsbetrieb jedes Kind in der Schule eine gesunde, warme Mahlzeit bekommt. Da, wo die Eltern über ein ausreichendes Einkommen verfügen, müssen diese die Kosten tragen, wo das nicht geht, ist die Gesellschaft und damit die öffentliche Hand gefordert", fordert Hofmann. An dieser Stelle zu sparen, sei langfristig verheerend.

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