Bildungsbericht Forscher fordern bis zu drei Milliarden zusätzliche Investitionen in Bildung

  • Jetzt in die Bildung Asylsuchender zu investieren, könnte in einigen Jahren viel Geld sparen, vermuten Forscher im aktuellen Bildungsbericht.
  • Es brauche viele neue Lehrer und zusätzliche Investitionen von bis zu drei Milliarden Euro, um die Herausforderungen der Flüchtlingskrise zu meistern.

Jugendliche Migranten in das deutsche Bildungssystem einzugliedern ist teuer und mühsam - es könnte sich mittelfristig aber lohnen. So steht es im Bericht "Bildung in Deutschland 2016", den Bildungsministerium und Kultusministerkonferenz am Donnerstag vorgestellt haben.

Die Eingliederung von Asylsuchenden ins Bildungssystem wird sich aus Expertensicht in zehn oder 20 Jahren wirtschaftlich auszahlen - bei sinnvollen Weichenstellungen. Die "Rückzahlung" hoher Bildungsinvestitionen für junge Flüchtlinge zeichne sich mittelfristig ab "in direkten Beiträgen zur Wertschöpfung ebenso wie in der Vermeidung von Sozialkosten", heißt es in dem Bericht.

Daher sei es jetzt enorm wichtig, die Herausforderungen der Flüchtlingskrise zu meistern, betont der Report unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF). "Die Lage ist dadurch gekennzeichnet, dass gegenwärtig rund 30 Prozent der gestellten Asyl-Erstanträge auf Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren entfallen und jeweils rund 25 Prozent auf 18- bis 24-Jährige sowie Erwachsene zwischen 25 und 34 Jahren."

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Allein für den Flüchtlingsandrang 2015 sollten 33 000 bis 44 000 Lehrer und Erzieher neu eingestellt werden. Sprachliche Bildung von Asylsuchenden und Flüchtlingen "bleibt für die nächsten Jahre (...) eine ebenso vordringliche wie kontinuierliche Aufgabe und erfordert in allen Bereichen verstärkte Anstrengungen sowie zusätzliche personelle Ressourcen", so die Autoren. Die Bildungsinvestitionen für die Flüchtlinge werden auf zusätzlich 2,2 bis 3 Milliarden Euro jährlich beziffert.

Im Jahrzehnt seit dem "Bildungsbericht 2006" haben laut den Forschern vor allem Kindergartenkinder mit Migrationshintergrund gegenüber ihren Altersgenossen aufgeholt. Im Schulbereich haben sich jedoch viele Ungleichheiten erhalten. "Ausländische Jugendliche verlassen nach wie vor mehr als doppelt so häufig das Schulsystem ohne Hauptschulabschluss und erreichen dreimal seltener die Hochschulreife."

Insbesondere an Gymnasien seien Kinder aus Migrantenfamilien unterrepräsentiert. "Auch beim Übergang in eine vollqualifizierende berufliche Ausbildung zeigen sich eklatante Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen", heißt es weiter. Deren Beteiligung an Hochschulbildung sei in Deutschland ebenfalls unterdurchschnittlich. Haben sie es aber einmal an die Uni geschafft, zeigen sich kaum Unterschiede zu ihren Kommilitonen ohne Migrationshintergrund.

DIPF-Bildungsforscher Prof. Kai Maaz fasste zusammen: "Soziale Herkunft, Migrationshintergrund und zunehmend auch regionale Rahmenbedingungen üben einen starken Einfluss auf den Bildungserfolg aus. Diese Problematik dürfte sich im Zuge der neuen Zuwanderung intensivieren", meinen die DIPF-Autoren.