Professoren protestieren gegen Ranking:Beitrag gegen "extreme Klüngelwirtschaft"

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Bei den Machern des Rankings heißt es: "Wir nehmen diese Kritik sehr ernst." Festzuhalten sei aber, dass die Methodik in den Wirtschaftswissenschaften international gängig sei - etwa, dass von der Qualität einer Zeitschrift auf die Qualität eines Aufsatzes geschlossen wird. Ansonsten würden Forscher ja nicht versuchen, Arbeiten zuerst in den renommiertesten Journalen zu lancieren.

Das Ranking konzentriere sich bewusst "auf die Messung der Forschungsleistung, die eine der Kernaufgaben schlechthin von Hochschullehrern ist". Man erhebe dabei nicht den Anspruch, die "besten" Betriebswirte zu benennen, sondern die "forschungsstärksten". Letztlich seien Rankings ein "Beitrag zur Transparenz". Auch gegen "extreme Klüngelwirtschaft", die es zumindest früher in der BWL bei Berufungen gegeben haben soll.

Der Druck zum permanenten Veröffentlichen wird tatsächlich, auch unabhängig von diesem Fall, als Problem registriert. "Publish or perish!", "Veröffentliche oder krepiere!", heißt eine Devise in der Wissenschaft, oft geht Quantität vor Qualität. Denn die Währung Veröffentlichungszahlen ist nicht zuletzt auch für die Einwerbung von Fördergeldern relevant.

Das "Prinzip Durchfall" kann etwa so aussehen: Ein Forscher veröffentlicht die Einzelergebnisse A, B und C, dann eine neue Publikation mit B und C mit D, danach schreibt er über C, D und E einen Aufsatz.

Ein Zehntel aller Professoren protestiert

Die bisherige Unterzeichner-Zahl des offenen Briefs stellt gut ein Zehntel aller Professoren des Fachs im deutschsprachigen Raum dar. Über die 2009 erstmals erhobene Rangliste wurde schon früher in der Fachwelt diskutiert; sie schien jedoch in der Breite akzeptiert zu sein, hat auch viele Befürworter. Manche argumentieren, dass es auf den Umgang mit Rankings ankomme - also dass man sich bei Berufungsverfahren nicht daran orientierten solle.

Kieser sieht dagegen einen Trend zur Abkehr vom Ranking-Denken. In seiner Mannheimer Abschiedsvorlesung 2010 hatte er bereits die "Tonnen-Ideologie der Forschung" gerügt, die Orientierung an Leistungskennziffern. Auf der Strecke blieben dabei Eigenheiten verschiedener Fachbereiche: "Die Feststellung, dass der eine Nummer eins und damit besser als die Nummer zwei ist, wäre so sinnvoll wie die, dass Tiger Woods im Vergleich mit Roger Federer der bessere Sportler ist."

Auch Soziologen rebellieren

Kürzlich hatte auch die Deutsche Gesellschaft für Soziologie eine Rangliste ins Visier genommen - das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Sie tadelte die Methodik der Entscheidungshilfe für Studenten, die bundesweit die Standorte einzelner Fächer analysiert.

Problematisch wirke sich das CHE-Ranking politisch aus, da es Ministerien "zu simplifizierenden Lesarten einladen" könne. Etwa zu Sparmaßnahmen bei einem vermeintlich schlechten Studiengang.

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