Mathematik:"Es scheint eine gewisse biologische Basis für Unterschiede zu geben"

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Doch das verinnerlichte Geschlechterbild könnte nur ein Grund von vielen sein, die die Leistung schmälern. Lehrer oder Eltern ermuntern Jungen womöglich stärker in Mathe, Mädchen könnten Mathe uncool finden; viele Einflüsse sind möglich. "Auch wenn der konkrete Effekt der Stereotypen-Bedrohung sich als übertrieben herausstellen sollte: Das heißt noch lange nicht, dass Stereotype insgesamt harmlos sind", sagt Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Zum Teil kann man den Rückstand von Frauen in Tests zudem mit der Auswahl der Teilnehmer erklären. An den SAT-Tests in den USA etwa, die über den College-Zugang entscheiden, nehmen weit mehr junge Frauen als Männer teil. Die weniger begabten Männer tauchen gar nicht erst zum Test auf. Das könnte erklären, warum Männer im Mathe-Teil des SAT konstant rund sieben Prozent mehr Punkte erreichen. In Colorado und Illinois hingegen, wo alle Schüler den College-Eingangstest ACT machen müssen, zeigt sich laut einem 2008 in Science veröffentlichten Überblick keinerlei Unterschied mehr.

Etwas anders liegen die Dinge bei den echten Mathe-Cracks. Nimmt man zum Beispiel die besten 0,01 Prozent der amerikanischen SAT-Teilnehmer im Mathe-Test: In dieser Gruppe kommen, wie man es dreht und wendet, auf eine Frau ungefähr vier Männer. Dieses Verhältnis lässt sich nur schwer allein auf gesellschaftliche Schieflagen schieben. Eher dürfte es daran liegen, dass unter Männern die Schwankungsbreite größer ist - mehr Genies, mehr Trottel.

"Es scheint eine gewisse biologische Basis für Unterschiede zu geben", sagt auch Marcel Helbig vorsichtig. "Es ist aber nicht klar, ob der heutige Frauenanteil unter den Top-Performern in der Mathematik schon diese Basis widerspiegelt, oder ob er noch weiter steigen kann." Tatsächlich könnte es durchaus Luft nach oben geben: In den 1980er-Jahren lag der Männerüberschuss unter den Mathe-Genies noch bei 13 zu eins.

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