Klassenkampf - der Schulratgeber:Geld wäre da

Sollen sie doch eine Vertretung einkaufen, mögen Sie nun zu Recht fordern. Geld wäre da, wie das Ministerium erklärt: "Zur Vermeidung von Unterrichtsausfall stehen für alle Schulformen im Haushalt 2015 'flexible Mittel für den Vertretungsunterricht' in Höhe von 52,35 Millionen Euro zur Verfügung." Das Problem in der Umsetzung trägt einen sehr deutschen Namen: Bürokratie.

Denn die Mittel für eine Ersatzlehrkaft können von der Schulleitung erst angefordert werden, wenn die Englischlehrerin mehrere Wochen am Stück krankgeschrieben ist. Der Schulleiter Ihrer Tochter hat Ihnen also die Wahrheit gesagt. Selbst wenn das Geld bewilligt wird, muss erst einmal eine qualifizierte Lehrkraft gefunden werden, die sich für einen Vertretungsjob hergibt. Denn: Im Arbeitsvertrag eines solchen Vertretungslehrers steht, dass das Arbeitsverhältnis sofort endet, wenn der zu vertretende Kollege wieder gesund ist. Der Ersatzlehrer hat also keinerlei Sicherheit, ob er in der Woche drauf noch Arbeit haben wird. Darauf haben nur wenige Lehrer Lust.

Wie man dem Stundenausfall effektiv begegnen könnte, hat das Ministerium in NRW theoretisch bereits in einem seiner Konzepte formuliert. Vertretungsunterricht sei nur sinnvoll, "wenn Schülerinnen und Schüler über Kompetenzen verfügen, Angebote und Zeit des Vertretungsunterrichts produktiv zu nutzen. Dazu zählt die Fähigkeit, Lernprozesse mit abnehmender Unterstützung zunehmend selbständig und in eigener Verantwortung zu planen." Man müsste also darauf hinarbeiten, dass sich Schüler auch sinnvoll mit unterrichtsrelevanten Themen beschäftigen können, wenn der Fachlehrer krank ist. Wie Sie schon einwenden, dürfte das für Sechstklässler in einer Fremdsprache allerdings schwer umzusetzen sein.

Bleibt Ihre Frage: "Was können wir tun?" Die Antwort ist leider unbefriedigend: wenig. Den Schulleiter haben Sie bereits aufgesucht. Bessert sich nichts, sollten Sie der zuständigen Bezirksregierung schreiben und genau erklären, wann und wie oft der Unterricht entfällt. Die Verantwortlichen dort haken dann noch mal bei der Schulleitung nach und mit etwas Glück ändert sich etwas.

Dabei spielt auch eine Rolle, ob vielleicht mehrere Lehrer der Klasse bei schlechter Gesundheit sind. Ein langjähriger Schulleiter eines Gymnasiums in NRW, der seinen Namen hier nicht lesen möchte, meint dazu: "Falls die Klasse von Lehrerausfällen besonders belastet ist, wird der Schulleiter trotz Personalknappheit eventuell Lehrerstunden umschichten. Obwohl er damit zwangsläufig an anderen Stellen Engpässe produzieren muss."

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