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Klassenkampf - der Schulratgeber:Angst vor dem vermasselten Abitur

Darf eine Lehrerin ihre Weltanschauung im Unterricht einbringen?

(Foto: Grafik: Jessy Asmus/SZ.de)

Zwischen Schüler und Lehrerin gibt es Stress - und die Abiturprüfung ist nicht mehr weit. Wie lässt sich der Zwist lösen? Wie viel private Meinung darf ein Pädagoge im Klassenzimmer äußern?

Die Leserfrage

Ich bin Schüler an einem Münchner Gymnasium und mache Ende dieses Schuljahres Abitur. Leider hab ich einige Probleme mit meiner Deutschlehrerin. Sie berichtet ständig von ihrer Weltreise und den lebensverändernden Erfahrungen, die sie dabei gemacht habe. Sie möchte uns davon überzeugen, dass Geld unglücklich macht und Zufriedenheit nur durch Meditation zu erreichen ist. Diese Indoktrination finde ich schon sehr nervig und habe ihr das auch so gesagt. Seitdem kommen wir gar nicht mehr miteinander zurecht. Meine Noten, insbesondere die mündlichen, haben sich deutlich verschlechtert.

Nun habe ich das Problem, dass ich bei dieser Lehrerin mein Deutsch-Abitur schreiben werde und ich nicht meinen Abschluss wegen ihr vermasseln möchte. Leider kann ich den Deutschkurs nicht mehr wechseln und weiß daher nicht, was ich tun soll.

Die Antwort

Wie viel private Meinung darf ein Lehrer in den Unterricht einbringen? Und was hat im Klassenzimmer gar nichts verloren?

Lehrer sollen "die verfassungsrechtlichen Grundwerte glaubhaft vermitteln" und müssen in der Schule auf das Tragen von "Symbolen und Kleidungsstücken, die eine religiöse oder weltanschauliche Überzeugung ausdrücken" verzichten, so steht es im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG). Von diesen Grundsätzen verletzt die Lehrerin mit ihren Geschichten über Weltreise oder Meditation keinen. Und grundsätzlich finde ich, dass es einen Lehrer sympathisch macht, wenn er zwischendurch eine private Episode einstreut und nicht nur den Lehrplan abarbeitet. Das Recht auf freie Meinungsäußerung im Klassenzimmer deckt außerdem mit Sicherheit auch die Meinung ab, dass Geld unglücklich macht.

Aber: Auch wenn der Lehrerin kein Gesetz verbietet, der Klasse Privates mitzuteilen, muss sie das dosiert tun - und darf keinesfalls einen Überzeugskampf daraus machen. Den Schülern ihre Meinung aufzudrücken, hat nichts mit dem Lehrauftrag zu tun. Wenn Sie und Ihre Mitschüler das als Indoktrination empfinden, sollten Sie das der Lehrerin offen sagen. Lässt sie dennoch nicht davon ab, können Sie zum Oberstufenkoordinator gehen, der das Gespräch mit ihr suchen sollte.

Der Oberstufenkoordinator ist auch erster Ansprechpartner für das zentrale Problem: Angst um die Abiturnote. Wenngleich es immer heißt, dass man zwischenmenschliche Probleme aufarbeiten soll, gibt es zumindest in der Schule in der Situation eigentlich einen Königsweg, den auch Franz Vogl, Schulleiter des Oskar-Maria-Graf-Gymnasiums in Neufahrn, empfiehlt: "Wenn es irgendwie möglich ist, tendiere ich bei so einem Fall immer zum Kurswechsel." So seien alle Betroffenen geschützt und könnten sich wieder der Arbeit zuwenden.

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