Grundschule Viertklässler haben sich in Mathe und Deutsch verschlechtert

Eine Grundschülerin sitzt während des Mathematikunterrichts über ihren Aufgaben.

(Foto: dpa)
  • Die Mathematik- und Deutschkenntnisse von 29 259 Viertklässlern bundesweit hat das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen für den Bildungstrend 2016 getestet.
  • Seit der Vorgängerstudie 2011 haben sich demnach die Leistungen in Mathematik sowie den Deutsch-Teilbereichen Orthografie und Zuhören teils deutlich verschlechtert.
  • Verhältnismäßig gut schneiden bayerische, sehr schwach Schüler aus Bremen ab.
Von Matthias Kohlmaier (Text) und Moritz Zajonz (Grafiken)

Dass ausgerechnet Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Ergebnisse des Bildungstrends 2016 vorstellen musste, grenzt an Ironie. Im Bundesland der aktuellen Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz sind die Leistungen der Viertklässler in Mathematik und Deutsch seit 2011 deutlich abgesackt.

Aber nicht nur in Baden-Württemberg dürfte man die Ergebnisse des Bildungstrends mit Sorge betrachten. Denn Grund zur Freude gibt es in kaum einem Bundesland.

Die Quintessenz der Erhebung lautet: Deutschlands Viertklässler haben sich seit der letzten Erhebung 2011 in Mathematik und den Deutsch-Teilbereichen Zuhören und Orthografie im Durchschnitt verschlechtert. Nur im ebenfalls untersuchten Teilbereich Lesen sind die Leistungen ungefähr auf gleichem Niveau verblieben.

Die wichtigsten Studienergebnisse

Bei der Auswertung der Daten konzentriert sich das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) hauptsächlich auf die von der Kultusministerkonferenz festgelegten Bildungsstandards, die die Schüler bis zu einem gewissen Zeitpunkt ihrer Schulkarriere in den einzelnen Fächern erreicht haben sollen. Dabei wird unterteilt in fünf Bereiche: unter Mindeststandard, Mindeststandard, Regelstandard, Regelstandard plus, Optimalstandard. Daneben werden die Leistungen mit Zahlenwerten um den bundesweiten Mittelwert 500 angegeben.

Im deutschlandweiten Vergleich und über alle getesteten Bereiche hinweg sehr gute Leistungen bringen dem Bildungstrend zufolge Schüler aus Bayern und Sachsen. Extrem schwach zeigen sich Bremen und Berlin, den größten Abstieg im Vergleichsranking muss Baden-Württemberg hinnehmen.

Deutsch

Deutlich verschlechtert haben sich die Leistungen der Viertklässler im getesteten Bereich Orthografie/Rechtschreibung. Zwar erreichen etwas mehr als die Hälfte der Schüler noch den Regelstandard oder übertreffen ihn sogar. Fünf Jahre zuvor schafften das allerdings noch zwei Drittel der Schüler. In den Bereichen Lesen und Zuhören ist ebenfalls eine, wenn auch etwas geringere, Verschlechterung der Werte verglichen mit 2011 zu beobachten.

Insgesamt schwanken die Werte zwischen den Bundesländern sehr stark. Während zum Beispiel in Bayern etwa 15 Prozent der Getesteten in Orthografie Top-Leistungen erbringen, sind es in Bremen nur 3,1 Prozent. Leider gilt das Muster auch umgekehrt: Unterhalb des Mindeststandards bei den Rechtschreibkenntnissen bleiben in Bayern nur 12,5 Prozent, in Bremen sind es mehr als 40.

Mathematik

Aus Bremer Sicht sieht es bei den mathematischen Fähigkeiten der Viertklässler ähnlich aus. Mehr als 35 Prozent von ihnen erreichen nicht einmal den Mindeststandard; das gilt zum Beispiel bei bayerischen oder sächsischen Schülern nur für etwas mehr als acht Prozent.

Verglichen mit 2011 hat sich der Anteil der Schüler, die mindestens durschnittliche Kenntnisse in Mathematik nachweisen konnten, um sechs Prozent verringert. Der Anteil derer, die den Mindeststandard erreichen, ist gleichzeitig um vier Prozent gestiegen. Signifikant positive Entwicklungen können die Forscher in keinem Bundesland ausmachen.

Weitere Studienergebnisse

Jungs sind gut in Mathe, Mädchen dafür begabter im Lesen und Schreiben - wer das für ein veraltetes Klischee hält, dem geben die Ergebnisse des Bildungstrends 2016 Unrecht. Denn nicht nur erbringen die Mädchen in allen drei Deutsch-Teilbereichen über beinahe sämtliche Bundesländer hinweg bessere Leistungen als Jungen; umgekehrt sind die Jungen auch deutschlandweit besser in Mathematik. Für unsere Grafik haben wir die durchschnittliche Differenz zwischen den erzielten Mittelwerten von Jungen und Mädchen berechnet:

Das Ergebnis ist leider keine Momentaufnahme, wie auch die Forscher ernüchtert feststellen: "Über die Zeit haben sich geschlechtsbezogene Disparitäten kaum verändert."

Weiterhin haben sich die Wissenschaftler auch mit dem Thema Zuwanderung befasst. Bundesweit hat sich der Anteil der Viertklässler mit Migrationsgeschichte demnach seit 2011 um mehr als ein Drittel auf 34 Prozent erhöht. Es ist allerdings nicht so, dass sich die Gesamtleistungen der Viertklässler aufgrund des höheren Anteils an Schülern mit Zuwanderungshintergrund verschlechtert hätten. Die negativen Trends seien "nicht auf einzelne Schülergruppen beschränkt", schreiben die Autoren der Studie.

Über die Studie

Fast 30 000 Schülerinnen und Schüler haben am IQB-Bildungstrend 2016 teilgenommen. Schulen und einzelne Klassen wurden zufällig ausgewählt. Nähere Informationen über die Testaufgaben finden Sie hier. Die Daten wurden zwischen Mai und Juli 2016 erhoben.