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Computer in der Grundschule:In Deutschland ist alles anders

Dann zogen wir zurück nach Deutschland. Und machten sogleich eine sehr interessante Entdeckung: Computer und Schule gelten hier als verdächtige Kombination, ja als lernbehindernd.

Unsere deutschen Freunde sorgen sich um die geistige Entwicklung ihrer Kinder im digitalen Zeitalter und schicken sie entweder auf Privatschulen, in denen Chinesisch unterrichtet wird, oder auf Waldorf-Schulen. In beiden Fällen sind sie geleitet vom traditionellen Erziehungskonzept, demzufolge Kinder leere Gefäße sind, in die nur das wertvollste Curriculum hinein fließen darf.

Das führt immer wieder zu lustigen Situationen. Und lässt uns wiederum an Los Altos denken, wo die intellektuelle Elite aus Silicon Valley ihre Kinder in Waldorf-Schulen stricken lässt, während Daddy, angestellt bei Google, Apple oder Hewlett-Packard, den Scheck für das jährliche Schulgeld (17 750 US Dollar in der Grundschule) vom iPad aus ausstellt.

Auch ich habe nichts gegen Buntstifte und Papier, selbstgestrickte Socken oder Matsch, aber wenn die Kinder von ihren Eltern nur mehr den Haaransatz über einem silbern schimmernden Apparat sehen, ist doch die Frage, welches Verhalten tatsächlich korrigiert werden sollte und wem die Retrosehnsucht der Eltern in Wahrheit nützt.

Und heute, 2012? In Berlin muss man nicht extra auf eine Waldorf-Schule gehen, um keinen Computerunterricht zu bekommen. Ein hervorragendes, humanistisches Gymnasium tut es auch. An unserem gibt es für 800 Schüler gerade mal sechs Computer. Sie hochzufahren lohnt nicht. Es dauert zu lang. Einmal keuchte der Lehrer nach dem zehnten Versuch, einen der alten Kästen in Gang zu bringen: "Dann müsst ihr das eben zu Hause machen." Als daraufhin die Hälfte der Kinder dreist log: "Da haben wir aber keinen Computer!", wunderte der Lehrer sich nicht: "Ich auch nicht."

Da diese Kinder Eltern haben, die die Zeit abonnieren und die Kommaregeln beherrschen, muss man sich um ihre Bildungszukunft eher nicht sorgen. Es ist also einerlei, ob sie in der Schule mit Computern arbeiten. Die anderen hingegen, die in ein Loch in einer indischen Wand starren oder auf einen Fernseher im Wedding, die sollten unbedingt die Gelegenheit dazu bekommen. Natürlich kann man einen Lehrer nicht durch eine Maschine ersetzen. Aber einen Lehrer, der von einer Maschine ersetzt werden kann; den sollte man vielleicht schon ersetzen.