Wernher-von-Braun-Gymnasium Schule legt Namen ab

Trotz der Mitschuld von Wernher von Braun am Tod Tausender KZ-Zwangsarbeiter hielt ein Gymnasium in Friedberg jahrelang an dem umstrittenen Namen fest. Nun reagiert die Schule auf die Kritik - allerdings ohne sich vom Patron zu distanzieren.

Von Stefan Mayr

Das Wernher-von-Braun-Gymnasium in Friedberg bei Augsburg wird voraussichtlich noch in diesem Jahr seinen umstrittenen Namen ablegen. Dies kündigte die Schule in einer Presseerklärung an. Damit reagiert die Leitung auf die zunehmend scharfe Kritik aus Politik, Wissenschaft und Medien, die angesichts der Verstrickungen Wernher von Brauns in den Tod tausender Zwangsarbeiter während des NS-Regimes laut wurde.

Die Schule begründet den Schritt mit einem Bericht im ARD-Magazin Kontraste vom Donnerstag. Darin sei "insbesondere unsere Schülerschaft bundesweit in ein dermaßen schiefes Licht gerückt" worden, "dass wir uns nun zu sofortigem Handeln gezwungen sehen".

Kultusminister Ludwig Spaenle urteilte nach langer Diskussion: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

" Deshalb solle die Entscheidung in den diversen Schulgremien "falls organisatorisch möglich, noch im Laufe dieser Woche, spätestens aber unmittelbar nach den Weihnachtsferien erfolgen". Wernher von Braun gilt als bedeutender Pionier der Raumfahrttechnologie. Andererseits nahm er während des NS-Regimes billigend in Kauf, dass beim Bau seiner V2-Rakete Tausende Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen ums Leben kamen.

Die ARD hatte für ihre Reportage Schüler und Lehrer befragt. Ein Gymnasiast sagte: "Okay, es sind zwar Leute gestorben, aber für viele Sachen sterben Leute. Das ist schon scheiße, aber ich finde das nicht so schlimm." Ein Physiklehrer bezeichnete von Braun gar als Vorbild: "Er war rücksichtlos im Bezug auf Durchsetzen seiner wissenschaftlichen Interessen, was es übrigens auch brauchte", so der Pädagoge, "die andere Seite ist: Er war Jahrzehnte an einem Thema dran, bis es geklappt hat. Wenn das kein Vorbild für unsere Schüler sein könnte? Ich glaube schon."

Eine Distanzierung von diesen Aussagen beinhaltet die Pressemitteilung der Schule nicht. Auch dass der Name Wernher von Braun für eine Schule nicht tragbar sei, sagt die Erklärung nicht.