Wegfall von Mariä Himmelfahrt in Speichersdorf "Das ist nicht in Ordnung"

Acht Kirchen für knapp 6000 Einwohner: Speichersdorf ist eine gläubige Gemeinde. Doch laut Zensus leben in dem fränkischen Ort inzwischen mehr Protestanten als Katholiken - deshalb fällt dort wohl künftig der Feiertag Mariä Himmelfahrt aus. Ein Interview mit dem Bürgermeister.

Von Anna Fischhaber

In Speichersdorf ist in diesem Jahr wohl zum letzten Mal Mariä Himmelfahrt arbeitsfrei. Weil der Zensus ergeben hat, dass in dem fränkischen Dorf im Landkreis Bayreuth mehr Protestanten als Katholiken leben, fällt der Feiertag voraussichtlich von 2014 an weg - wie auch in Baiersdorf und Memmingerberg. Laut Gesetz ist der 15. August nämlich nur in den bayerischen Gemeinden Feiertag, in denen Katholiken in der Überzahl sind. Manfred Porsch, 59, parteilos, Protestant und seit 17 Jahren Bürgermeister in Speichersdorf, versteht das nicht.

Süddeutsche.de: Herr Porsch, was machen Sie am Donnerstag?

Manfred Porsch: Ich werde erst einmal ausschlafen. Dann will ich meine Schwiegereltern besuchen und die Landesgartenschau in Tirschenreuth. Sie haben ja sicher schon gehört, dass bei uns Mariä Himmelfahrt abgeschafft werden soll. Seit Gründung der Gemeinde 1972 feiern wir diesen Tag und jetzt soll von 2014 an Schluss sein. Das bedauern natürlich viele im Ort, vor allem die Katholiken. Ein Dorffest organisieren wir nicht, aber der Pfarrer wird diesen Tag natürlich festlich gestalten.

Manfred Porsch, 59, parteilos, Protestant, ist seit 17 Jahren Bürgermeister in Speichersdorf.

(Foto: oH)

Was sagt denn der Pfarrer dazu, dass es nun weniger Katholiken bei Ihnen gibt?

Das ist ja nicht seine Schuld. Wir sind ein sehr gläubige Gemeinde. Es gibt acht Kirchen für knapp 6000 Einwohner. Und dass wir inzwischen laut Zensus nur noch 2512 Katholiken und dafür 2634 Protestanten haben, verdanken wir vor allem unseren Neubürgern. In den neunziger Jahren sind viele Menschen nach Speichersdorf gezogen - vor allem Spätaussiedler. Und die sind nun einmal in der Mehrzahl evangelisch. Und eigentlich ist es ja erfreulich, dass unser Dorf nicht ausstirbt.

Und nun werden sie genau dafür bestraft ...

Das stimmt. Ich wäre dafür, dass der Buß- und Bettag und Mariä Himmelfahrt wieder richtige Feiertage werden. Ich bin ja Protestant, aber natürlich will ich, dass sich alle Bürger in meiner Gemeinde wohlfühlen. Schon als der Buß- und Bettag abgeschafft worden ist, gab es viel Protest bei uns im Dorf.

Rechnen Sie für morgen mit Demonstrationen?

Eher nicht. Ich habe schon mit unserem Pfarrer gesprochen. Er bedauert den Wegfall des Feiertags, wird sich aber an die gesetzlichen Vorgaben halten. Besonders glücklich ist dieses Gesetz aber nicht. Dass man den Feiertag abhängig von der Zahl der evangelischen oder katholischen Christen macht, ist nicht in Ordnung. Das kann sich ja ständig ändern.

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Das heißt, Sie haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Mariä Himmelfahrt irgendwann wieder Feiertag bei Ihnen wird?

Das könnte allerdings dauern. Wenn man davon ausgeht, dass die nächste Volkszählung in 25 Jahren stattfindet. Zudem haben wir vor allem viele junge Protestanten. Und als Bürgermeister ist es sicher nicht meine Aufgabe, Menschen vom Katholizismus zu überzeugen.

Dann müssen die Speichersdorfer also von 2014 an einen Tag mehr arbeiten.

Natürlich werden wir dann alle am 15. August arbeiten, auch ich als Bürgermeister. Für viele Speichersdorfer ändert sich nichts, weil sie in Bayreuth tätig sind. In Bayreuth gibt es ja Mariä Himmelfahrt bislang auch nicht. Das Problem ist, dass wir hier von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedliche Regelungen haben. Es ist beispielsweise einmal passiert, dass eine Baufirma an der Kanalisation gearbeitet hat - im Nachbardorf konnte sie weitermachen, in Speichersdorf durfte aber am 15. August nicht gearbeitet werden. So etwas sorgt natürlich für viel Verwirrung.

Dafür steigt vielleicht künftig das Bruttosozialprodukt in Speichersdorf?

Gut, wir haben eine Porzellanfabrik. Dort arbeitet man dann einen Tag mehr. Aber das Bruttosozialprodukt? Höchstens im Promillebereich. Davon wird die Gemeinde aber sicher nicht reicher.