Tragödie bei Bad Grönenbach:Sechs Tote bei Unfall im Nebel

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Nebel-Unfall auf A7

Ein Autowrack nach dem Nebelunfall auf der A7.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Allein in einem Fahrzeug starben in der Silvesternacht auf der A 7 fünf junge Menschen

Bei einer Massenkarambolage im dichten Nebel auf der Autobahn 7 im Allgäu sind in der Silvesternacht sechs Menschen gestorben, darunter mehrere Jugendliche. Zehn Menschen wurden verletzt, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Etwa gegen ein Uhr kollidierten nahe Bad Grönenbach drei Sattelzüge und acht Autos. Zunächst waren nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler die Lastwagen und vier Autos in den Unfall verwickelt, wie ein Polizeisprecher am Sonntagmittag sagte. "Das ging wohl relativ glimpflich aus." Doch dann krachte ein Pkw mit fünf Menschen in die Unfallstelle. Später folgte noch der Wagen eines 23-Jährigen, der alleine im Auto unterwegs war. Diese sechs Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.

Das mit fünf Leuten besetzte Auto hatte den Angaben zufolge ein 22-Jähriger gesteuert. Bei ihm im Wagen saßen vier junge Frauen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Zwei davon konnten die Beamten bis zum Mittag identifizieren. Die beiden Teenager und die getöteten Männer stammen alle aus dem Landkreis Unterallgäu. Von den insgesamt zehn Verletzten mussten die meisten im Krankenhaus versorgt werden.

Den Sachschaden schätzt die Polizei auf mehrere 100 000 Euro. Feuerwehr und Rettungsdienst waren mit einem Großaufgebot im Einsatz, ebenso Kriseninterventionsteams. "Von Routine kann in so einem Fall keine Rede mehr sein", sagte Thomas Pfaus, einer der Einsatzleiter von der Integrierten Leitstelle Donau-Iller des Roten Kreuzes. Der Nebel sei so dicht gewesen, das habe er noch nie erlebt: "Wirklich nur wenige Meter Sicht." Das gilt schon jetzt als eine der Unfallursachen. "Vermutlich ist eine Nebelbank aufgezogen", sagte Polizeisprecher Jürgen Krautwald. "An der Unfallstelle gilt die Richtgeschwindigkeit 130 Stundenkilometer." Ob das Tempo oder auch Alkohol eine Rolle spielten, könne er noch nicht sagen. Gegebenenfalls müssten Blutentnahmen angeordnet werden. Vielleicht haben die Autofahrer die Lastwagen vor sich im dichten Nebel einfach viel zu spät gesehen. "Es sieht so aus, als seien sie mit voller Geschwindigkeit aufgefahren", sagte Pfaus.

Im Jahr 2015 ereigneten sich in Deutschland 456 nebelbedingte Unfälle mit Personenschaden, wie der ADAC unter Berufung auf das Statistische Bundesamt mitteilte. Ein Sprecher des Automobilclubs gab am Sonntag die üblichen Tipps: langsam fahren, Nebelschlussleuchte an. Ob das den Unfall allerdings verhindert hätte, das vermag auch er nicht zu sagen. Die Polizei hatte den Verkehr auf der A 7 nach dem Unfall zunächst komplett gestoppt. In Fahrtrichtung Ulm blieb die Autobahn wegen der aufwendigen Rettungsarbeiten bis in den Nachmittag gesperrt. Der Unfallort liegt in einem Gebiet ohne Ballungszentrum. Das heißt: lange Anfahrtswege für die Rettungskräfte, wie Pfaus deutlich machte. Und auch in die Krankenhäuser sind es 30 bis 40 Kilometer. Weit mehr als 30 Fahrzeuge waren im Einsatz und rund 100 Einsatzkräfte. Etwa 80 Prozent von ihnen arbeiteten ehrenamtlich, mussten Silvesterfeiern verlassen.

Erst Ende November waren ebenfalls im Unterallgäu vier Jugendliche bei einem Unfall ums Leben gekommen. Auf dem Weg zu einem Jugendtreff hatte ein 18-Jähriger in einer langen Rechtskurve in Markt Rettenbach bei stark überhöhter Geschwindigkeit die Gewalt über das Fahrzeug verloren. Das Auto prallte gegen einen Baum und wurde in zwei Teile gerissen. Ein 16-Jähriger überlebte schwer verletzt.

Am Donnerstag hatte der ADAC seine Prognose veröffentlicht, wonach die Zahl der Verkehrstoten auf deutschen Straßen 2016 auf einen Tiefststand gesunken sein dürfte. Der Berechnung zufolge starben rund 3280 Menschen auf den Straßen in der Bundesrepublik, 5,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Diesem Trend entgegengesetzt war die Entwicklung zuletzt in Bayern. Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamts kamen in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres 531 Menschen bei Verkehrsunfällen im Freistaat ums Leben. Das war im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 528 Todesopfer ein leichter Anstieg. Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) sprach von einem tragischen Unfall: "Leider machen schon die ersten Stunden des neuen Jahres deutlich, dass auch 2017 die Sicherheit im Straßenverkehr ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit sein muss und wird." Doch auch die Helfer brauchen nach einem solchen Unfall Hilfe, um die schrecklichen Eindrücke zu verarbeiten. Man tausche sich untereinander aus, sagt Einsatzleiter Pfaus. Aber auch professionelle Seelsorger seien im Einsatz. "Da muss man drüber reden, wenn man weiterarbeiten will."

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