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Toter Landrat von Regen:Ein Verdacht, dem keiner nachgehen wollte

Heinz Wölfl galt als Vorzeigepolitiker mit besten Kontakten in die Staatsregierung. Dann fuhr der Landrat von Regen gegen einen Baum. Nun mehren sich die Hinweise, dass die Spielsucht ihn kriminell gemacht hat. Doch hatte er nur sein eigenes Leben nicht mehr im Griff oder verkaufte er auch politische Entscheidungen? Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Max Hägler

Heinz Wölfl war ein beliebter Mann. 83 Todesanzeigen erschienen in der Lokalzeitung. Die Junge Union, der Bayerwald Sängerkreis, die Fußballabteilung des TSV Regen kondolierten. "Schülern und Lehrkräften brachte er hohe Wertschätzung entgegen", schrieben etwa die Schüler und Lehrer der Realschulen Viechtach und Zwiesel. Ein Freund und Förderer sei gestorben, "den wir sehr vermissen werden".

Trauer um Landrat Heinz Wölfl

Der Held vom Bayerischen Wald, das war Heinz Wölfl zu Lebzeiten. Nach seinem Tod mehren sich die Korruptionsvorwürfe.

(Foto: dpa)

In den Nachrufen im Internet tauchen Texte auf wie dieser von einem Freund: "Lieber Heinz, nicht Deine menschlichen Fehler, sondern Deine Leistungen zählen. Möge Bodenmais oder Regen Dir eine Straße widmen, damit auch später an Dich gedacht wird."

Es wird nun viel am Nachruf des Landrats gearbeitet. Und es geht dabei auch um die Deutungshoheit: Konnte man erkennen, dass Heinz Wölfl spielsüchtig war? Hat sich das auf seine Amtsführung ausgewirkt? War Wölfl der Held vom Bayerischen Wald oder korrupt? Und: Wer ahnte das und hielt ihn nicht auf?

Erst wurde bekannt, dass seine Fahrt gegen einen Baum an der Staatsstraße 2136 kein Unfall, sondern ein Suizid war. Dann, dass er spielsüchtig war. Dann, dass er Schulden hatte, Hunderttausende Euro wohl. Und nun ermittelt die Staatsanwaltschaft - gegen Leute, die dem 58-Jährigen Geld geliehen hatten und denen er im Gegenzug womöglich Vorteile gewährt hat. Den Lobeshymnen stehen nun plötzlich eigenartige Erinnerungen entgegen.

Thomas Müller, Bürgermeister von Bayerisch Eisenstein, schwärmt - obwohl er vor kurzem sein CSU-Parteibuch gegen eines der Grünen eingetauscht hat: "Bei jeder guten Idee war Wölfl dabei." Das Biathlon-Leistungszentrum, die Sanierung des Grenzbahnhofes, die Aufwertung der behäbigen Volkshochschule - überall habe Wölfl um Verbesserungen gekämpft.

Beste Kontakte in die Staatsregierung

Das ist auch notwendig im Landkreis Regen. Die Gegend ist zwar wunderschön, Hügelland mit Waldbergen, aber eben Grenzland. Auf den Ranglisten der Wirtschaftsmagazine landet der Kreis Regen zuverlässig im letzten Viertel. Wölfl versuchte das zu ändern, hatte beste Kontakte in die Staatsregierung.

Wenn er in Brüssel war, um über Förderbudgets für Ostbayern zu reden, dann war er auf Augenhöhe mit den EU-Beamten. Die Wähler honorierten das, mit jeweils über 90 Prozent der Stimmen wurde er bei den vergangenen Wahlen bestätigt. "Heinz Wölfl war das Gesicht und gewissermaßen Sprecher des Bayerischen Waldes", sagt Manfred Weber, der niederbayerische CSU-Vorsitzende. Es ist das Bild, das die Partei von Wölfl aufrechterhält: Wölfl der Visionär, der unerkannt suchtkrank wurde und an dieser Last zerbrach.

Dabei gab es Hinweise, dass längst nichts mehr in Ordnung war. Ein Kommunalpolitiker der Stadt Regen berichtet von einem erstaunlichen Auftritt Wölfls vor der Sommerpause. Da sei der Landrat in der Sitzung der Fraktionssprecher aufgetaucht und habe gefordert dass die Stadt ein Grundstücksgeschäft unterstützen müsse. 700.000 Euro sollte die Stadt investieren, Wölfl soll einen schriftlichen Plan mitgebracht haben, wie das abzuwickeln sei. Der Name des Unternehmers, der davon vielleicht profitiert hätte, tauchte nach Wölfls Tod auch in einem anonymen Brief auf, in dem von Korruption geschrieben wird - und aufgrund dessen die Staatsanwaltschaft nun ermittelt.

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