bedeckt München 15°

Tegernsee:Asche im Kopfkissen

Witwe steht wegen Mordes und Störung der Totenruhe vor Gericht

Eine Frau steht in München vor Gericht, weil sie ihren Ehemann mit Hilfe von Medikamenten getötet und später auf dem Friedhof seine Urne ausgegraben haben soll. Sie ist wegen Mordes und Störung der Totenruhe angeklagt. Zum Prozessauftakt kündigte sie am Montag vor dem Landgericht München II eine Aussage an: "Am liebsten würde ich alles von A bis Z sagen." Dazu kam es aber zunächst nicht, weil ihr Verteidiger sich darüber beklagte, dass er neue Akten noch nicht habe einsehen können. Die Aussage seiner Mandantin könne frühestens am zweiten Verhandlungstag stattfinden. Aus Akten, die der Vorsitzende Richter verlas, ging allerdings hervor, wie die Angeklagte die Sachlage womöglich darstellen wird: Ihr Mann habe sich selbst umgebracht.

Die Staatsanwaltschaft wirft der inzwischen 49 Jahre alten gelernten Krankenschwester dagegen vor, im September 2018 ihren Mann, einen 60-jährigen Facharzt, in der gemeinsamen Wohnung in Tegernsee mit einem Schlafmittel betäubt und mit Insulin und Morphium getötet zu haben. Das mutmaßliche Motiv formuliert die Anklagebehörde so: "Die Angeschuldigte hatte entschieden, dass ihr Ehemann, von dem sie lange Jahre in erheblichem Ausmaß finanziell profitiert hatte, ihr nun zu nichts mehr nütze sei." Denn die Frau soll das Vermögen ihres Ehemannes bereits zum größten Teil an sich gebracht haben - einschließlich der Wohnung, in der sich der Mann aber ein lebenslanges Wohnrecht vorbehalten hatte und aus der er auch nicht ausziehen wollte. Laut Staatsanwaltschaft befürchtete die Frau, dass ihr Mann bei einer Trennung zumindest Teile seines Vermögens zurückfordern würde.

Zunächst schien in dem Fall manches auf einen Suizid oder auf eine Tötung auf Verlangen hingedeutet zu haben. Die Frau wurde erst ein halbes Jahr später festgenommen. In der Zwischenzeit soll sie das Urnengrab ihres Mannes aufgebohrt und die Urne mitgenommen haben. Einen Teil der Asche habe sie in ein Glas, den Rest in den Bezug ihres Kopfkissens gefüllt, heißt es von der Anklagebehörde. Als Nebenkläger sind die drei Kinder des Toten zugelassen. Das Gericht hat bisher 14 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll demnach Anfang November fallen.

© SZ vom 22.09.2020 / dpa, kpf

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite