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Steinabbau im Altmühltal:Tiefe Steinbruchkrater

Nun ist es aber so, dass Steinbrüche seit Jahrhunderten zu dieser Kulturlandschaft gehören. Touristiker bewerben sie als charakteristische Besonderheit des Altmühltales. Noch nie wurde die Ausweitung der Abbauflächen in der Bevölkerung so massiv in Frage gestellt wie jetzt. Die Steinbarone waren lange Zeit ebenso geachtet wie unantastbar. Nun kritisiert nicht nur Karl-Heinz Schork, die Industrie dehne sich immer schneller aus. In ehedem dicht bewaldeten Höhenzügen klaffen tiefe Steinbruchkrater, deren Ausmaße man oft nur aus der Luft erkennt, denn meist grenzen Baumreihen als seitlicher Sichtschutz die Brüche ein. "Keuschheitsstreifen" nennt sie Schork verächtlich.

Der Abbau in dieser Region ist wirtschaftlich sehr lukrativ. Was nicht zu edlen Juramarmor-Platten taugt, landet im Gartenbau oder wird zu Schotter zerkleinert. "Letzteres ist mit weitem Abstand der größte Anteil", sagt Bernhard Kling, für Naturstein zuständiger Geschäftsführer des bayerischen Industrieverbandes Steine und Erden. Dieser Schotter lande hauptsächlich bei Straßenbaumaßnahmen in der Region. Genau darum gehe es auch bei den Erweiterungen, sagt Horn: "Um die langfristige Versorgung mit ortsnah gewonnenen Rohstoffen." Das verlange das Gesetz und sei letztlich ein volkswirtschaftliches Anliegen. "Es wird nur das aus dem Boden entnommen, was nötig ist und regional verbraucht wird", sagt Kling. Das es auch um Gewinnstreben der Firmen geht, weist er von sich. Außerdem würden ausgebeutete Steinbrüche zu Biotopen renaturiert.

Schork und seine Mitstreiter sehen das anders. Alle paar Wochen würden ganze Güterzugladungen mit aus dem Boden gesprengten, unbehandelten Steinblöcken nach China transportiert. Dort würden aus den Blöcken feine Steinplatten geschnitten, die anschließend teuer in die ganze Welt verkauft werden. Der vom Abbau betroffenen Region blieben nur Lärm und Dreck. Das Grundwasser werde gefährdet, Tieren ihr Lebensraum geraubt und Pflanzenbestände vernichtet.

Binnen weniger Wochen hat das Aktionsbündnis 3500 Unterschriften gegen die Erweiterungspläne gesammelt. Die Kommunalpolitiker vor Ort wirken irritiert von so viel Unmut. Sie verweisen auf 700 Arbeitsplätze in den Steinbetrieben und hohe Gewerbesteuereinnahmen. "Wir können als eine der steuerschwächsten Gegenden Bayerns diese Einnahmen und die vielen Arbeitsplätze nicht außer Acht lassen", sagt Weißenburg-Gunzenhausens Landrat Gerhard Wägemann (CSU). "Aber wir wollen auch nicht, dass die Landschaft verschandelt wird." Ein klassischer Zielkonflikt bei dem der Ton immer rauer wird.

"Da wird vieles hinter den Kulissen ausgemauschelt", vermutet Schork. Die ganze Regionalplanung sei "scheindemokratisch und intransparent", Wägemann kaum mehr als "ein Sprachrohr der Steinindustrie". Über solche Etiketten ärgert sich wiederum der Landrat. Noch vor Weihnachten will er Regionalplaner, Industrievertreter und Naturschützer zur Kompromisssuche an einen Tisch holen. Die eigentliche Entscheidung über die Ausweitung fällt der regionale Planungsausschuss voraussichtlich im Frühjahr 2014.