Staudhamer See "Der Mann ist mächtig"

Vor zwei Wochen haben sie unten am See sogar einen kleinen Protestzug organisiert, 50 Leute waren da mit Transparenten, "Wohin im Sommer 2015?", "Bitte, lasst uns den Staudhamer Badesee" stand da geschrieben, auch die Lokalzeitungen waren da, sogar das Fernsehen hat berichtet. Genützt hat es nichts.

Viele Gäste kommen auch zum Ratschen - mit Hannelore und Jürgen Kleinhenz. Sie betreiben den Kiosk seit 21 Jahren.

(Foto: Veronica Laber)

"Der Mann ist mächtig, dem gehört hier alles", sagt Daniel Riemer. Die Felder drum herum, der See, die Gastwirtschaft oben an der Bundesstraße. Zusammen mit seiner Frau hat Riemer die Demo organisiert und einen Brief an Josef Irlbacher geschrieben: Warum er den einzigen kinder- und familienfreundlichen Zugang am See schließen will, haben sie ihn gefragt. Er hat nicht geantwortet.

Aber es geht nicht nur um den See, es geht auch um die Frage, ob es moralisch ist, wenn ein Mensch, der sehr viel Grund besitzt, der Allgemeinheit nicht ein kleines Stück davon abgibt. Neulich haben sie in der Lokalzeitung geschrieben: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm . . ." Hannelore Kleinhenz sagt: "Aber mit seinem Vater konnte man wenigstens reden."

Die Straße ist lauter als die Kinder

Fünf Minuten sind es vom See zu Fuß zum Haus von Josef Irlbacher; es steht versteckt hinter einer hohen Hecke, man hört die Autos auf der B 304 vorbeirasen. Dass der angebliche Lärm vom Badesee der Grund dafür ist, dass der Eigentümer die Stelle schließen will, glaubt unten am See keiner. Die Straße sei viel lauter, außerdem sei jeden Abend spätestens von acht Uhr an nichts mehr los.

Wasserqualität Bayerns Seen sind sauber
Landesamt für Gesundheit

Bayerns Seen sind sauber

Vor Darm-Bakterien und Blaualgen müssen sich Bayerns Badegäste nicht fürchten. Das Wasser in den Seen des Freistaats ist sauber. 379 Badestellen kontrolliert das Landesamt für Gesundheit regelmäßig. Aber das sind längst nicht alle Stellen, an denen gebadet wird.   Von Anne Kratzer

Michael Kölbl kennt die Argumente. Der Wasserburger Bürgermeister hat versucht, mit Josef Irlbacher zu verhandeln und ihm angeboten, eine Schranke mit Zeitschaltung aufzustellen oder auf Kosten der Stadt Parkplätze und eine Erschließungsstraße zu bauen. Ohne Erfolg. "Er ist nicht mehr interessiert daran, den Badeplatz zu erhalten", sagt Kölbl, und es sei auch "keine ausgeprägte Kompromissbereitschaft" vorhanden gewesen. Im Landratsamt Rosenheim hat man die Hoffnung aufgegeben: Josef Irlbacher plane, an der Badestelle einen Jungwald anzupflanzen. Und wer aufforstet, hat nach Artikel 32 des Bayerischen Naturschutzgesetzes auch das Recht, die Fläche einzuzäunen.

In Seewies wird verhandelt

Es ist später Nachmittag, am Ufer planschen Kinder im Wasser, ein Opa badet mit der Enkelin, am Kiosk schlendert ein Paar mit Picknickkorb vorbei. Jürgen Kleinhenz schaut hinüber ans andere Ufer, man sieht einen Steg - die andere Badestelle drüben in Seewies. Auch dort gehört Josef Irlbacher Grund. Die Bürgermeister verhandeln jetzt mit ihm, ob und wie man den Zugang attraktiver gestalten könnte. Kleinhenz schüttelt den Kopf. Drüben ist es viel enger, die Liegewiese schattig, Hecken versperren den Blick auf den See. "Des is nicht schön, da drüben, des ist nix", sagt er.

Die vier Büschel Unkraut liegen noch immer im Gras, später wird Kleinhenz sie wegräumen, er wird die Mülltonnen ausleere, neue Beutel einziehen und aufräumen, wie jeden Abend. So viel Ordnung muss sein am Staudhamer See, auch jetzt noch, findet er.