Spitzenkandidat der Freien Wähler Schwere Vorwürfe gegen Adenauer-Enkel

Spitzenkandidat in der Kritik: Die Freien Wähler aus Mittelfranken sind über Stephan Werhahns Bundestagskandidatur im Wahlkreis Düsseldorf empört. Dieser sei wegen rechtsextremer Umtriebe geächtet. Sie fordern, dass der Adenauer-Enkel seine Kandidatur zurückzieht.

Von Christian Sebald

Schwere Vorwürfe gegen den Spitzenkandidaten der FW bei der Bundestagswahl und Adenauer-Enkel, Stephan Werhahn: Freie Wähler aus Mittelfranken bezichtigen den 59-jährigen Rechtsanwalt und Unternehmer, sich für seine Bundestagskandidatur ausgerechnet den Bundeswahlkreis Düsseldorf ausgesucht zu haben, der wegen rechtslastiger Umtriebe und einiger Mitglieder mit rechtsextremem Hintergrund "seit Jahren geächtet ist" und vom Landesverband der Freien Wähler "bis heute nicht als Ortsverband aufgenommen wurde".

In einer Erklärung, die Freie Wähler aus Mittelfranken am Sonntagabend veröffentlicht haben, heißt es: "Wir Freie Wähler lassen uns durch diese inakzeptable Kandidatur Werhahns nicht in die rechtsextreme Ecke rücken und distanzieren uns von diesen Vorgängen." Man erwarte, dass Werhahn umgehend seine FW-Spitzenkandidatur zurückziehe. Die ersten FW-Gruppen hätten sich 1946 unter der Vorgabe gegründet, dass es nie wieder ein "menschenverachtendes Naziregime" geben dürfe. Deshalb nähmen alle "seriösen FW-Gruppen" niemanden auf, der jemals Mitglied einer extremistischen Organisation war.

Werhahn wies die Vorwürfe zurück. "Das ist absurd", sagte er. "Das passt absolut nicht zu mir und in meine Familiengeschichte." Zugleich erklärte er, dass die FW in Nordrhein-Westfalen noch längst nicht so geschlossen seien wie in Bayern. Auch wisse er um die Vorwürfe der Rechtslastigkeit. Er lasse sich aber gerade deshalb in Düsseldorf aufstellen, um die Freien Wähler in NRW zu einen und zu stärken.

Außerdem habe er am Wochenende die Personen getroffen, denen Rechtslastigkeit vorgeworfen werde. Dabei habe er den Eindruck gewonnen, sie seien "jetzt vernüftige Leute", auch wenn sie "in der Vergangenheit Fehler gemacht" hätten. "Ich bin der Überzeugung", sagte Werhahn, "dass man Menschen, die sich politisch verirrt haben, wieder zu politischer Verantwortung heranziehen kann, wenn sie sich geläutert haben."

In einem Interview hatte Werhahn unlängst außerdem erklärt, er trete in Düsseldorf an, weil er familiär und beruflich seit 150 Jahren tief im Rheinland verwurzelt sei. Die mittelfränkischen FW dürfte das nicht zufrieden stellen. In ihrer Erklärung fordern sie auch FW-Chef Hubert Aiwanger auf, Konsequenzen gegenüber Werhahn zu ziehen.