SPD-Landrat Michael Adam Ein Provinzfürst demontiert sich

Er behandelt seine Partei mit dem Dampfhammer: Erst hat der niederbayerische SPD-Landrat Michael Adam verbale Attacken losgelassen, dann hat er offiziell die CSU gewählt. Nun wäre es für Adam an der Zeit, zu handeln. Er hat zwei Möglichkeiten.

Ein Kommentar von Frank Müller

Es gibt gute Gründe dafür, dass es einem in der bayerischen SPD nicht gefallen muss. Christian Ude etwa hat zwei Jahrzehnte lang gut davon gelebt, sich in Satiren solange über den eigenen Klub und seinen Hang zur grundsatztreuen Sektiererei lustig zu machen, bis dieser die Höchststrafe verhängte. Er machte Ude zum Spitzenkandidaten in aussichtsloser Lage.

Es hatte einmal so ausgesehen, als ob der niederbayerische SPD-Landrat Michael Adam irgendwann Udes Nachfolge in der Rolle als Hoffnungsträger antreten könnte. Die Geschichte vom jungen, schwulen, evangelischen Sozi aus dem Bayerischen Wald, der die CSU das Fürchten lehrt, war fast zu schön, um wahr zu sein.

Adam wurde herumgereicht, auch fernab Bayerns sah man plötzlich auf den jungen, charismatischen Landrat aus Regen. Dann begann dieser damit, sich ebenfalls auf Kosten der eigenen Partei zu profilieren. Anders als bei Ude sind jedoch die Chancen, dass aus Adams Parteikarriere noch etwas wird, inzwischen auf dem Nullpunkt.

Es macht eben doch einen Unterschied, ob man die eigenen Leute mit gehobener Ironie behandelt. Oder mit dem Dampfhammer. Adams Prinzip, alle paar Monate die immer gleiche Attacke leicht variiert zu wiederholen, hat etwas Ermüdendes und Maßloses zugleich.

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Man hat nun langsam verstanden, dass Adam Landeschef Florian Pronold nicht mag und dass die Gründe dafür weit ins Persönliche gehen. Nach der x-ten Wiederholung des Gesagten allerdings wünscht man sich, dass Adam nun auch Taten folgen lässt. Da gäbe es nun eine klare Alternative: Entweder er sucht sich für seine Position intern Mehrheiten und führt Pronolds Sturz herbei. Oder aber er verlässt ganz einfach die SPD.

Beides wäre begründbar und konsequent. Völlig abstrus dagegen ist das Verhalten, das Adam nun nach der Bundestagswahl zeigt. Man kann als Funktionsträger einer Partei sich nicht öffentlich damit brüsten, dass man soeben gegen sie gestimmt hat. Wer dafür eine Begründung braucht, ist in der Politik fehl am Platz.

Fast tragisch an alledem ist einmal mehr die Hoffnungslosigkeit, die der Fall über die Bayern-SPD legt. Da hat man einmal einen, der Mehrheiten holen könnte. Und dann ist es wieder nichts.

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