Sozialbericht Wo Bayern arm ist

Einige Zahlen in der Erhebung überraschen: So sind nicht die Menschen in den ländlichen Regionen besonders armutsgefährdet - sondern in Oberbayern.

  • Sozialministerin Emilia Müller hat den neuen Datenreport "Soziale Lage in Bayern 2014" vorgestellt.
  • Trotz guter Zahlen aus der Wirtschaft wächst in Bayern die Zahl derer, die armutsgefährdet sind.
  • In Schwaben ist die Gefahr am geringsten, in die Gruppe der Armutsgefährdeten zu rutschen; am höchsten ist sie in Oberbayern.
Von Dietrich Mittler

Die Wirtschaft blüht, Bayern hat die bundesweit höchste Quote an Erwerbstätigen und im Schnitt weit weniger Arbeitslose als andernorts in Deutschland. Grund genug für Sozialministerin Emilia Müller, den neuen Datenreport "Soziale Lage in Bayern 2014" mit den Worten vorzustellen: "Höchstes Wohlstandsniveau, geringster Anteil von Armutsgefährdeten und beste Arbeitsmarktlage."

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die Zahl derjenigen, die im Freistaat auf der Schattenseite stehen, hat sich weiter erhöht. "Die Zahl armutsgefährdeter Personen in Bayern stieg zwischen 2006 und 2013 von 1,61 auf 1,76 Millionen", heißt es in dem am Mittwoch herausgegebenen Report.

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Nicht alle profitieren vom Aufschwung

Im Klartext bedeutet das: Die sozial Schwachen profitierten vom Aufschwung nur bedingt. Grundsätzlich gilt in Bayern eine Person ab einem Nettoeinkommen von 973 Euro als "armutsgefährdet". Auffallend dabei: Oft ist Armut im Freistaat offenbar ein Problem alleinstehender Menschen. Laut Report zählen etwa 600 000 Frauen und Männer zu dieser Personengruppe: Im Schnitt mussten diese 2013 mit einem Nettoeinkommen von 778 Euro im Monat auskommen.

Aber auch Familienhaushalte mit mehr als einem Kind, in denen nur eine Person das Einkommen sichert, sind statistisch gesehen schneller am Rande ihrer finanziellen Möglichkeiten. "Unser Ziel ist es, dass auch diejenigen, die bisher noch nicht von der guten Situation profitieren konnten, ihre Chance bekommen", teilte dazu die Ministerin in München mit.

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Alleinerziehende mit finanziellen Problemen

Auch wenn man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen dürfe, sagte Müller, so sei es doch beachtlich, dass die Armutsgefährdungsquote in Bayern 4,2 Prozent unter dem gesamtdeutschen Niveau liege. Gleichwohl, die Zahl der Armen in Bayern wächst. Am massivsten trifft sie die über 65-Jährigen, insbesondere die Frauen. Auch Alleinerziehende zählen weiterhin zu jenen, die finanziell einen schweren Stand haben. Allerdings, so heißt es im Report, komme dieser Personengruppe mit 170 000 Menschen "eine quantitativ vergleichsweise geringe Bedeutung" zu.

Doch auch hier besteht noch Handlungsbedarf: "Die Armutsgefährdungsquoten von Menschen mit Migrationshintergrund liegen weiterhin auf einem höheren Niveau als bei Menschen ohne Migrationshintergrund", heißt es im Report. Jedoch sinke hier die Zahl der problematischen Fälle, insbesondere unter den Jüngeren. Dennoch gilt nach wie vor die Aussage: Auf dem Arbeitsmarkt haben es Bewerber mit Migrationshintergrund schwerer. Ihre Erwerbslosenquote ist um 3,1 Prozentpunkte höher als die der deutschstämmigen.