Seehofer löst Empörung auf Facebook aus "Sie sollten sich schämen"

Horst Seehofers direkter SPD-Konkurrent im Stimmkreis zieht sich aus dem Wahlkampf zurück, der CSU-Ministerpräsident reagiert auf Facebook mit Spott und Häme. Ohne allerdings die Gründe für den Rücktritt zu kennen. Als die privaten Motive bekannt werden, greift Seehofer zu ungewöhnlichen Mitteln.

Von Frank Müller

Mit seinen hämischen Äußerungen über den Ausstieg seines bisherigen direkten SPD-Gegenkandidaten Mahmoud Al-Khatib im Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen hat der CSU-Ministerpräsident beträchtlichen Wirbel ausgelöst. Nach einer erregten Debatte auf seiner Facebook-Seite im Internet griff Seehofer am Dienstag zu einem ungewöhnlichen Mittel und entschuldigte sich dort in aller Form: "Das tut mir aufrichtig leid!", schrieb Seehofer an Al-Khatib gerichtet.

Tags zuvor hatte Seehofer Al-Khatib auf Facebook noch mit Spott belegt: "Ich habe in meinem Stimmkreis noch gar nicht mit dem Wahlkampf begonnen und mein Gegenkandidat hat trotzdem schon aufgegeben. Das soll mir erst mal einer nachmachen." Allerdings hatte Al-Khatib schon zu diesem Zeitpunkt deutlich gemacht, dass hinter dem Rückzug - er war auch Berater von SPD-Kandidat Christian Ude für Integrationspolitik - persönliche Gründe stünden, die er nicht öffentlich machen wolle.

Auf Seehofers Seite tat er es in einem Kommentar dann doch: "Meine hochschwangere Frau durchlebt eine sehr komplizierte Schwangerschaft mit zum Teil lebensbedrohlichen Begleiterscheinungen. Sie braucht mich jetzt und nicht erst nach der Wahl." Er griff den CSU-Chef frontal an: "Wer sind Sie noch mal, Herr Seehofer? Vorsitzender der Christlich Sozialen Union? Sie sollten sich schämen ..."

Auf Seehofers Seite löste der Vorfall zahlreiche Kommentare über und unter der Gürtellinie aus. Seehofer stieß mit seiner Attacke sowohl auf Zustimmung als auch auf wütende Proteste. "Bravo Horst", schrieb einer, eine andere Userin postete: "Der nächste, der abspringen wird, ist Christian Ude". In den Seehofer-kritischen Kommentaren dagegen hieß es: "Ich bin entsetzt über so viel Schadenfreude" und "da hilft kein Entschuldigen, da hilft nur Abwählen".

Seehofer ruderte schließlich zurück: "Ich habe mit großer Betroffenheit durch Ihr Posting von den Beweggründen Ihres Rückzuges und vom Gesundheitszustand Ihrer hochschwangeren Frau erfahren. Selbstverständlich hätte es von mir nie eine Bemerkung gegeben, wenn dies auch nur ansatzweise bekannt gewesen wäre."

Ähnlich verhielt sich CSU-Vize-Generalsekretärin Dorothee Bär. Sie nannte Al-Khatib auf Twitter erst "feige" und entschuldigte sich später.

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