Schließung von Dorfschulen:38 Schulen sind akut von einer Schließung bedroht

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Die Situation im Landkreis Altötting ist kein Einzelfall. Überall im Freistaat gibt es Mini-Grundschulen, die nicht unter Seehofers Versprechen fallen, weil sie auf dem Papier lediglich Außenstellen einer größeren Schule sind. Anfang des Schuljahres war nicht einmal im Kultusministerium bekannt, wie viele solcher Außenstellen es überhaupt gibt. Mittlerweile hat die Behörde die Zahl ermittelt. Von den knapp 2400 Grundschulen in Bayern hätten 339 "mehr als einen Standort", heißt es. Ob und welche Standorte gefährdet sind, sei aber nicht bekannt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Außenstellen schließen müssen.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat in 34 von insgesamt 71 bayerischen Landkreisen genauere Informationen über die Situation der Grundschulen gesammelt, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Demnach gibt es in den untersuchten Landkreisen 99 Grundschulen mit rechtlich nicht-selbständigen Außenstellen. Fünf davon haben drei Außenstellen, neun haben zwei Außenstellen und der Rest hat eine.

38 dieser Außenstellen stuft der bayerische Lehrerverband als "von der Schließung bedroht" ein, da dort nur noch zwei Klassen unterrichtet werden. Vier seien sogar "akut bedroht", weil sie nur noch aus einer einzigen Klasse bestehen: beispielsweise die Grundschulen Heindlschlag und Sulzbach in den niederbayerischen Landkreisen Freyung-Grafenau und Passau, die Grundschule Vestenbergsgreuth im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt und die Grundschule Unterjoch im schwäbischen Oberallgäu.

Zwanzig Schulen sind bereits geschlossen

Die Schule in dem Allgäuer Gebirgsdorf hätte eigentlich schon dieses Schuljahr geschlossen werden sollen. So war es den Eltern im Mai mitgeteilt worden. Die Kinder sollten über den Jochpass in die Stammschule nach Bad Hindelang pendeln. Der massive Protest der Eltern vor der Landtagswahl bewirkte dann, dass die Schule einen Aufschub für ein Jahr bekommen hat. Im Januar 2014 wollen Mitglieder des Bildungsausschusses nach Unterjoch fahren, um sich vor Ort selbst ein Bild machen zu können.

"Es ist eine stattliche Zahl von Schulen, für die Seehofers Bestandsgarantie nicht gilt", sagt Klaus Wenzel, Präsident des BLLV. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) müsse transparent machen, welche Außenstellen gefährdet sind und nicht mit "verdeckten Zahlen" arbeiten. Nach Informationen des BLLV sind in den vergangenen Jahren bereits 20 nicht-selbständige Außenstellen von Grundschulen geschlossen worden.

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