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Scheidung von Homo-Ehen:Nachteile - auch bei der Trennung

Die darauf folgende Trennung endet in einem Rosenkrieg. Sophie muss ihrer geschiedenen Frau die Hälfte der gemeinsamen Eigentumswohnung abkaufen und dafür den Kredit komplett übernehmen. Die Ex-Frau wiederum muss für die Tochter Unterhalt bezahlen, was sie zunächst auch anstandslos tut. Erst als es um die Wahl einer Privatschule geht, kommt es zu einem großen Streit, einem Gerichtsprozess und vielen unschönen Szenen.

Es sind die gleichen Probleme wie bei der Scheidung von Hetero-Ehen - mit dem Unterschied, dass sie bei Homo-Trennungen selten in die Öffentlichkeit gelangen. Die Aufhebung einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft muss laut §15 LPartG erwirkt werden. Ein Anwalt muss die Trennung vor dem Familiengericht beantragen. Sind beide Partner einverstanden, reicht es, ein Jahr getrennt zu leben. Will nur einer die Scheidung, müssen drei Jahre Trennungszeit vergangen sein. Da die Lebenspartnerschaft in Deutschland erst seit 2001 erlaubt ist, gibt es noch keine Langzeitstudien über Trennungen. Das Statistische Landesamt in Bayern erfasst hierzu keine Zahlen. Beim Amtsgericht München zählt man erst seit 2009 mit und hat in vier Jahren insgesamt 145 Aufhebungen registriert.

Plaintiffs in the Proposition 8 case Katami and Zarrillo exchange wedding rings in Los Angeles

Ein schwules Paar beim Ringetausch.

(Foto: REUTERS)

Dass homosexuelle Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt sind, bringt nicht nur beim Adoptionsrecht, sondern auch beim Erb-, Miet- oder Bestattungsrecht Nachteile. "Dass wir nicht als echte Ehepartner anerkannt sind, habe ich gemerkt, als ich nach der Trennung die gemeinsame Eigentumswohnung übernommen habe", sagt Sophie. Sie musste für die Grunderwerbssteuer einen vierstelligen Euro-Betrag an das Finanzamt abführen.

Heute hat sich Sophie mit ihrem Leben abgefunden, auch wenn es immer noch schwierig ist. "Als lesbisches Paar ist man ein Sonderfall, aber als getrenntes lesbisches Paar erst recht", sagt sie. Es fühlt sich jedes Mal wie ein erneutes Coming-out an, wenn sie etwa einer Lehrerin sagen muss, dass ihre Tochter zwei Mütter hat. "Ich habe immer Herzklopfen vor solchen Gesprächen", sagt sie. Nach all dem Trennungsschmerz ist Heiraten für Sophie kein Thema mehr. "Ich habe das nur gemacht, weil ich eine Familie wollte", sagt sie. Dieser Traum ist geplatzt. Was bleibt, ist ihre kleine Tochter.

Wolfgang dagegen sieht eine Lebenspartnerschaft nach wie vor positiv. Er hat das Mediennetzwerk Queerelations.de gegründet, um dem Thema "anders lieben in unserer Zeit" eine Plattform zu bieten. Mit Alexej ist er nach wie vor befreundet. "Heiraten? Könnte ich mir schon noch mal vorstellen", sagt er. Und wer weiß, vielleicht darf er bei seiner nächsten Hochzeit dann eine "echte" Ehe eingehen - und nicht bloß eine Lebenspartnerschaft.