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Prozess gegen Erzieherin:Angeklagte fühlt sich wegen Beziehung zum Pfarrer gemobbt

Es geht um mehr als 200.000 Euro: Eine Erzieherin soll das Taschengeld der ihr anvertrauten Kinder unterschlagen haben, nun steht sie in Passau vor Gericht - und hat eine überraschende Begründung für ihr Verhalten.

Sie soll die Kirche und ein Jugendheim um etwa 200.000 Euro betrogen haben. Am zweiten Prozesstag vor dem Passauer Landgericht brach die 46 Jahre alte Angeklagte am Freitag ihr Schweigen und nannte eine überraschende Begründung für die massiven Untreuevorwürfe gegen sie: "Ich hatte sieben Jahre die Beziehung mit einem katholischen Pfarrer gehabt und gelebt, davon fünf Jahre im Pfarrhaus", sagte die frühere Jugendbetreuerin aus. Deswegen habe die Kirche sie auf dem Kieker, sie sei dort eine "Persona non grata".

Angeklagte Jugendbetreuerin bricht ihr Schweigen

Überraschung vor Gericht: Die Angeklagte fühlt sich wegen einer Beziehung mit einem Pfarrer als "Persona non grata".

(Foto: dpa)

Die Frau ist seit Mai 2011 in Untersuchungshaft. Sie soll zuvor unter anderem Jugendlichen, die in einer betreuten Wohngruppe im niederbayerischen Eggenfelden (Landkreis Rottal-Inn) lebten, das Taschengeld vorenthalten haben. Die meisten der etwa 500 Fälle aus der Anklage beziehen sich allerdings auf die frühere Stelle im kirchlichen Jugendbüro von Ruhstorf (Landkreis Passau), das die Frau 17 Jahre lang leitete.

Auf dieses frühere Arbeitsverhältnis bezog sich die Aussage der Frau vor der Strafkammer. Die 46-Jährige räumte zwar ein, dass sie in dem Pfarrbüro Belege manipuliert habe. Das Geld sei aber fast ausschließlich den Jugendlichen zugutegekommen. Es sei darum gegangen, Angebote für die Kinder zu finanzieren, die offiziell nicht hätten abgerechnet werden können. In die eigene Tasche will die Frau kaum etwas gesteckt haben.

Die Staatsanwältin hielt von dieser Erklärung nichts. Sie verwies darauf, dass auf dem Bankkonto der Frau lange Zeit immer nur Geldeingänge verzeichnet wurden und keine Barabhebungen. Die Anklägerin glaubt, dass die Frau abgezweigtes Geld aus dem Jugendbüro für den täglichen Lebensunterhalt verwandt hat.

Wegen des komplizierten Verfahrens haben die Richter weitere Verhandlungstage bis Juli terminiert. In dem Prozess sollen auch hochrangige Finanzverantwortliche der Kirche als Zeugen aussagen.