Neonazis in Bayern Rechtsextreme Versandhäuser

Etwa 200 Rechtsextreme zogen am Volkstrauertag durch Wunsiedel.

(Foto: dapd)

Bürgerinitiative Ausländerstopp

Mitglieder der "Bürgerinitiative Ausländerstopp" (BIA) sitzen in Nürnberg und München im Stadtrat. Laut Verfassungsschutz handelt es sich dabei um eine "NPD-Tarnliste". Der Nürnberger BIA-Stadtrat Ralf Ollert ist zugleich NPD-Landesvorsitzender, der Münchner BIA-Politiker Karl Richter ist stellvertretender Bundesvorsitzender. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er bei seiner Vereidigung zum Stadtrat im Mai 2008 den Hitlergruß zeigte. Nach außen pflegt die BIA das Image des bürgerlichen Rechten, tatsächlich jedoch ist sie eng mit der Kameradschaftsszene verwoben. Der ehemalige Anführer der "Freien Nationalisten München", Philipp H., saß lange Zeit selbst im Vorstand der Münchner Initiative, der Nürnberger Stadtrat Sebastian Schmaus war nach Angaben des Verfassungsschutzes Anhänger der "Fränkischen Aktionsfront" - diese wurde 2004 verboten.

Kameradschaften in München und Umland

Seit der Neonazi Philipp H. in Haft sitzt, und der verurteilte Rechtsterrorist Martin Wiese wieder auf freiem Fuß ist, findet in der Münchner Neonazi-Szene ein Umbruch statt. Die Kameradschaft "Nationale Solidarität Bayern" löste sich auf, dafür arbeiten einst konkurrierende Kameradschaften zusammen. Führungsfigur ist Martin Wiese. Der 35-Jährige zeichnet für die Homepage der "Kameradschaft München-Nord" verantwortlich; die "Kameradschaft München" wird laut Verfassungsschutz von seinem Adlatus Karl-Heinz S. geführt. Die Mitglieder der Münchner Kameradschaften beteiligten sich in den vergangenen Monaten vermehrt an Flugblatt-Aktionen der "Bürgerinitiative Ausländerstopp" und der NPD und suchten den Kontakt mit der "Kameradschaft München Süd-Ost" sowie Gruppierungen aus dem Umland - etwa dem "Aktionsbund Freising" sowie der "Jagdstaffel D.S.T." aus Geretsried.

Rechtsextreme Versandhäuser

Ihr Angebot ist meistens legal, die Produkte aber richten sich gezielt an Rechtsextreme: Da gibt es Düfte mit Namen "Nationalist" oder Hosen mit dem Aufdruck "88" - das Kürzel für HH, wie Heil Hitler. Deutschlands Vertriebe für die Ware der extremen Rechten liegen zu einem großen Teil in Bayern: NPD-Funktionäre betreiben den Wikingerversand im niederbayerischen Geiselhöring, den Murnauer "Versand der Bewegung" und den Final-Resistance-Versand im oberpfälzischen Wackersdorf. Der Patriaversand in Kirchberg vertreibt gleich eine eigene Kleidermarke. Sie heißt "Consdaple" und spielt mit den Assoziationen zu Hitlers einstiger Partei. Unter offenen Jacken getragen, sieht man von einem Consdaple-Shirt nämlich nur fünf Buchstaben: "NSDAP".