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Mitten in Bayern:Ehrung leicht(er) gemacht

Ob es bei der Verleihung von Orden und Verdienstmedaillen immer gerecht zugeht, wird gerne diskutiert. Doch wie sieht es mit der Geschlechtergerechtigkeit aus? Die Grünen im Landtag haben eine "erstaunliche" Beobachtung gemacht und bei der Staatsregierung mal nachgefragt

Glosse von Johann Osel

Mit Orden, Medaillen und Ehrenzeichen ist das ja so: Entweder sie fliegen einem ohne Zutun zu. Oder jemand bemüht sich mit Verve um die Ehrung. Oder diese ist einfach nur verdient. Ersteres skizziert Kurt Tucholsky, da sortiert ein Herr im Beisein der Gattin seine Orden, "es hat sich, Frau, doch mit der Zeit summiert". Da wäre der Kronenorden vierter Klasse: "Ich sollte ihn ja eigentlich nicht haben, / doch damals waren alle andern Knaben / auf Urlaub, und ich war grad in Berlin; / und, siehst du, Kindchen, so bekam ich ihn." In Bayern sagt man gern, dass man nur lange genug mit Parteibuch in der Tasche irgendwo hocken muss - und der Ordensautomatismus setzt ein. Zweiteres (Anstreben einer Ehrung) erzählt eine Politikschnurre aus dem Jahr 2013: Da wurde ruchbar, dass sich Finanzminister Markus Söder und Kultusminister Ludwig Spaenle gegenseitig fürs Bundesverdienstkreuz vorschlagen wollten. Dritter Fall (verdiente Anerkennung) betrifft unermüdliche Ehrenamtliche, ewigdienende Bürgermeister oder kluge Köpfe in der Forschung. Ehre, wem sie gebührt, mag man da bilanzieren - das müssen letztlich Ehrende und Geehrte mit ihrem Gewissen ausmachen.

Doch ist das Ordensbuhei geschlechtergerecht? Das wollten die Grünen, konkret Landeschefin und Abgeordnete Eva Lettenbauer, nun in einer Anfrage wissen. Anlass: Im Oktober verlieh das Innenministerium die Kommunale Verdienstmedaille in Silber an 24 Personen aus Schwaben; darunter eine Frau. "Erstaunlich" fand das Lettenbauer. Die Antwort schlüsselt auf: Der Bayerische Verdienstorden hatte zuletzt 51,5 Prozent Frauenanteil, das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten 48,7, die Medaille für Verdienste um Bayern in Europa 45,5. Anders beim Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (33 Prozent) und eben der Kommunalen Medaille: Bronze (15,2 Prozent), Silber (9,3), Gold (null). Was angesichts der Zahl von Professorinnen und Lokalpolitikerinnen wohl weniger den Ordensstiftern als den Verhältnissen anzulasten ist. Daher fordert Lettenbauer: Kommunales Engagement solle attraktiver für Frauen sein, über familienfreundliche Sitzungszeiten oder quotierte Kandidatenlisten.

Womöglich greift, wer weiß, bei diesen Medaillen oft auch nur das Spezl-Prinzip: Männer schlagen sich gegenseitig vor.

© SZ vom 27.01.2021
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