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Mit 21 Professor in Wien:Wunderkind und Sternenforscher

Die Regiomontanus-Statue auf dem Marktbrunne in Königsberg.

(Foto: Matthias Hoch)

Sogar Columbus nutzte die Berechnungen von Regiomontanus

Von Katja Auer, Königsberg

Seit dem 21. Juli 1969 geht auf dem Marktplatz im unterfränkischen Königsberg abends das Licht an. An jenem Tag betrat der erste Mensch den Mond, und da fühlten sich die Königsberger auch irgendwie beteiligt. Immerhin ist ein Mondkrater nach dem berühmtesten Sohn der Stadt benannt, dem Astronom Johannes Müller genannt Regiomontanus. Der ist als Statue auf dem Marktbrunnen verewigt und wird seit jenem Tag angestrahlt.

Der Bub, der 1436 als Sohn eines Müllers auf die Welt kam, war ganz offenbar ein Wunderkind. Schon bald war klar, dass der hochbegabte Junge an der Königsberger Schule nichts mehr lernen konnte, und so schickten ihn seine Eltern mit elf Jahren an die Universität nach Leipzig. Auch dort wusste er bald alles über Astronomie und Mathematik, und Regiomontanus ging mit 13 Jahren nach Wien. Drei Jahre später erwarb er seinen ersten akademischen Grad. Die Begabung des jungen Königsbergers, der erst später unter der lateinischen Übersetzung seines Geburtsortes bekannt wurde, hatte sich inzwischen herumgesprochen. Kaiser Friedrich III. ließ ihn Horoskope erstellen, und mit 21 Jahren lehrte Regiomontanus an der Universität Wien.

Dabei zweifelte der junge Sternenforscher schon an der bislang gültigen Meinung, dass die Erde der ruhende Mittelpunkt der Welt sei. In Briefen wird das deutlich: "Ich kann mich nur wundern über die geistige Trägheit unserer Sternenkundigen, die wie leichtgläubige Weiber als göttliche und unveränderliche Wahrheit annehmen, was sie in den Büchern ihrer Tafeln oder Erklärungen finden. Sie glauben den Schriftstellern und vernachlässigen die Wahrheit." Ketzerische Worte für die damalige Zeit.

Regiomontanus war inzwischen nach Rom gezogen, wohin ihn ein päpstlicher Gesandter geholt hatte, um dort zu forschen. Später ging er nach Ungarn und danach nach Nürnberg, das damals als Reichsstadt eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit erlebte. Dort arbeitete er möglicherweise in jenem Haus nahe der Burg, das später Albrecht Dürer erwerben sollte. Regiomontanus baute astronomische Geräte und Instrumente und veröffentlichte zahlreiche Schriften, darunter einen deutschen Kalender und seine Jahrbücher, die für die Jahre 1475 bis 1506 den Stand der Sonne, des Mondes und der Planten vorausberechneten. Christoph Columbus nutzte diese Berechnungen bei seinen Seefahrten, weswegen man in Königsberg auch ein kleines bisschen Anteil an der Entdeckung Amerikas zu haben meint.

Regiomontanus, über den im Rathaus eine Broschüre von Rudolf Mett zu erhalten ist, gilt als Wegbereiter eines neuen Weltbildes, auch wenn erst Nikolaus Kopernikus später berechnen konnte, dass die Erde um die Sonne kreist. In Königsberg halten sie das Gedenken an Johannes Müller hoch. Nur ein eigenes kleines Museum, das fehlt noch. Bisher gibt es nur zwei Vitrinen im Rathaus.

© SZ vom 02.01.2015

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