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Landratswahl in Niederbayern:SPD-Kandidat Adam liegt in Regen klar vorn

Es war ein Wahlkampf im Schatten eines Suizids - und er endete mit einer vorläufigen Sensation für die niederbayerischen Sozialdemokraten: Ausgerechnet Michael Adam geht in zwei Wochen als Favorit in die Stichwahl um den Landratsposten im Kreis Regen. Adam ist jung, schwul, evangelisch und bei der SPD.

Es wurde ein Wahlkrimi wie erwartet im Landkreis Regen. Und er endete mit einer vorläufigen Sensation für die bayerischen Sozialdemokraten: Michael Adam - jung schwul, evangelisch und eben sozialdemokratisch - hat die meisten Stimmen bei der Landratswahl im niederbayerischen Regen bekommen.

Landratswahl Regen, Heinz Wölfl, Michael Adam

Der neue Landrat des Landkreises Regen muss in einer Stichwahl ermittelt werden. Bei der Abstimmung am Sonntag errang keiner der fünf Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit. Die meisten Stimmen entfielen auf SPD-Kandidat Michael Adam.

(Foto: dapd)

Der Entscheid war notwendig geworden, weil sich der amtierende Landrat Heinz Wölfl vor drei Monaten das Leben genommen hatte. In zwei Wochen tritt Adam nun gegen den zweitplatzierten Kandidaten Helmut Plenk von der CSU an. "Jetzt ist Adam Favorit", gestand CSU-Kreischef und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ein.

Als gegen halb sieben am Sonntagabend die ersten Ergebnisse bekannt werden, liegen Adam und Plenk klar vorne und der SPD-Mann bereits leicht in Führung. Ein Raunen geht durchs Landratsamt in der Kreisstadt Regen. Einige haben rote Hemden übergestreift mit dem Spruch: "Wir können Landrat!". Als nach einer Stunde dann die Gemeinde Drachselsried mit über 50 Prozent an den 26-jährigen Adam geht, klatschen viele.

Als 65 Prozent Stimmen für Adam in Bodenmais aufscheinen, dem Ort, in dem er vor drei Jahren überraschend Bürgermeister wurde, jubelt der Saal. "Eine Sensation ist das", sagt Adam, als gegen halb acht Uhr das vorläufige Endergebnis feststeht: 42,7 Prozent für Adam, der CSU-Mann Plenk erreicht 34,9 Prozent, jeweils nur einstellige Ergebnisse bekommen die drei weiteren Kandidaten, die CSU-Renegatin Josefa Schmid, der parteifreie Franz Xaver Eckl und Heinrich Schmidt von den Freien Wählern.

Enttäuschung vor allem bei der CSU, die seit Jahrzehnten hier im Bayerwald den Landrat stellt. Während Plenk sich noch "sehr zufrieden" gibt, wird Kreischef Brunner deutlich: "Wir hatten eigentlich ein Kopf-an-Kopf-Ergebnis erwartet." Das deutliche Abschneiden von Adam überrasche. Jetzt gehe es darum, die Wähler der drei ausgeschiedenen Kandidaten zu gewinnen.

Vor derselben Aufgabe steht jetzt Adam. Nun fange er noch einmal von vorne an mit dem Wahlkampf, sagt er. Auch SPD-Landesparteichef Florian Pronold ist ins Landratsamt gekommen. Einen Trend für die in Bayern bei allen vorangegangenen Wahlen enttäuschende SPD will er trotz des Jubels nicht herauslesen. "Seien wir ehrlich", sagte Pronold. "Das ist ein Erfolg von Michael Adam, nicht mehr, nicht weniger." Das einzige, was man daraus ableiten könne: Kein Landkreis sei heute noch gesicherter CSU-Erbhof.

Die Wahl war mit Spannung erwartet worden, wegen des ungewöhnlichen SPD-Kandidaten, aber auch wegen Wölfl. Der CSU-Politiker hatte sich umgebracht, weil er wohl Spielschulden nicht mehr bezahlen konnte. Staatsanwaltschaft und Kommunaler Prüfungsverband gehen derzeit Hinweisen nach, denen zufolge Wölfl Entscheidungen, etwa bei Bauanträgen, von gewährten Privatkrediten abhängig gemacht habe.

© SZ vom 14.11.2011/afis

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