Landesparteitag in Bayern Pornos im Unterricht als Bildungsmaßnahme

Einer der wichtigsten Punkte im Wahlprogramm ist jedoch die Bildung. Die Partei wünscht sich ein "liquides Schulsystem". Das hat ausnahmsweise einmal nichts mit Liquid Feedback zu tun, sondern bedeutet verkürzt gesagt: feste Klassen abschaffen, Gruppenarbeit einführen. Jeder soll in jedem Fach gemäß seiner Fähigkeiten gefördert werden.

"Wir haben doch oft die Situation, dass jemand zum Beispiel in Mathe schlecht ist, in Sprachen aber super - und dann bleibt er nur wegen der 6 in Mathe komplett sitzen, obwohl er in anderen Fächern locker eine Klasse weiter könnte", sagt Benjamin Stöcker, der ebenfalls für den Landtag kandidiert. Anstelle von fixen Lehrplänen sollen individuell vereinbarte Lernziele treten.

Außerdem treten die Piraten für "Open Education Ressources" ein - will heißen: Schulmaterialien sollen für alle Schüler frei zugänglich sein. "Da gehen wir natürlich an das System der Schulbuchverlage ran", sagt Stöcker. "Das Geschäftsmodell: Wir verkaufen etwas pro Schüler wird dann nicht mehr funktionieren." Natürlich sei es aber wichtig, dass weiterhin Menschen dafür bezahlt würden, Schulbücher zu schreiben. "Da muss man gut überlegen, wie man das löst."

Pornos im Unterricht

Im Bildungs-Kapitel versteckt sich auch das zweite Aufregerthema der Piraten: Sie fordern einen Sexualkundeunterricht mit "zeitgemäßen Materialien". Also sollen Lehrer tatsächlich mit ihren Schülern YouPorn gucken? Ja, findet Tina Lorenz, kulturpolitische Sprecherin der bayerischen Piraten. "Die Kids gucken das sowieso. Und wenn sie dann Fragen an die Lehrer haben, können sie die gar nicht beantworten, weil sie die Videos nicht mit den Schülern anschauen dürfen." Sie hält es für wichtig, dass in der Schule explizit über Pornos aufgeklärt wird - "natürlich nicht in der Grundschule, sondern vielleicht in der neunten Klasse", schränkt sie ein.

Es sei wichtig, dass die Jugendlichen wüssten, wie Pornos entstehen - und warum der dort dargestellte Sex nicht der Realität entspreche. "Warum zum Beispiel kommt die Missionarsstellung in Pornos nicht vor? Na klar. Weil da wenig zu sehen wäre außer einem auf- und ab wippenden Po", sagt Lorenz. Auch über das Frauenbild in Pornos möchten die Piraten aufklären. "Wenn man Jugendlichen einen Porno aus den zwanziger Jahren zeigt, dann sehen sie, dass die Frau damals meist der aktive Part war."

Damit Schüler über all das offen mit einem Erwachsenen reden, sei es auch nötig, externe Berater in die Schulen zu schicken. "Manchmal gibt es einfach keinen Lehrer, zu dem die Jugendlichen genügend Vertrauen haben", so Lorenz.