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Kratzers Wortschatz:Wenn das Sünderlein saure Magengase koppt

Was macht eigentlich ein Koprater (Kooperator)? Das wissen heute nicht mehr viele. Früher sagte man Pfarrer­lehrling dazu. Manche halten einen Koprater allerdings für einen Kopperer. So nennt man im Dialekt einen Rülpser oder ein Bäuerchen

Kolumne von Hans Kratzer

Koprater

In einem kürzlich vom Sender BR Heimat ausgestrahlten Gespräch zwischen der Journalistin Hermine Kaiser und dem Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler ging es unter anderem um das Wort Koprater. Göttler leitete es vom lateinischen Begriff cooperarius (Mitarbeiter) her. Beim Koprater (Kooperator) sei nicht der leitende Pfarrer gemeint, sondern der Nachwuchspfarrer, der ihn unterstütze. Pfarrerlehrling hieß es früher. In ihren Kindheitserinnerungen hielt einst die Autorin Magdalena Stöckl fest, manche seien nur zum Koprater zum Beichten gegangen, "der war nicht ganz so gestrig". Hermine Kaiser gab sich überrascht, sie kenne diesen Begriff in einem anderen Zusammenhang, sagte sie. "Des war jetzt a sauberer Koprater!" So habe sie es als Kind gehört, wenn jemand einen lauten Rülpser von sich gab. Das wiederum war dem Sprachexperten Göttler neu. Vielleicht hat Frau Kaiser hier etwas verwechselt. Ähnlich wie der Koprater klingt nämlich der Dialektbegriff Kopperer, der einen Rülpser benennt oder ein Bäuerchen.

Kopperer

Der Ethnologe R.W.B. Mc Cormack schreibt in seinem Werk "Tief in Bayern", der Bayer sei im Allgemeinen stolz auf seine Verdauung und lasse andere gern daran teilhaben. Speziell nach dem Genuss des kohlensäurehaltigen Weißbieres verschaffe er sich mit Rülpsern oder Kopperern Luft. Darüber beschwerten sich früher vor allem die Geistlichen auf dem Land, denen die Bauern im Beichtstuhl gerne ihre sauren Magengase ins Gesicht neikoppten. Bei Säuglingen aber sehnt man sich geradezu nach dem Kopperl, das Erleichterung von jeglichen Blähungen bringt. Die Salonfähigkeit des Kopperers beurteilen manche so: "Was du an Ansehen verlierst, das gewinnst du an Gesundheit!" Das gilt wohl auch für Gasausstöße auf der rückwärtigen Körperseite.

© SZ vom 12.06.2021
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