Kratzers Wortschatz Warum Eisei Respekt und Cleo einen Rausch hat

Wenn es einen Skispringer nach der Landung waffelt, dann ist ein solcher Vorfall alles andere als zeam. Nur bei Schauspielerinnen ist das ein bisserl anders

Kolumne von Hans Kratzer

waffeln

Der Skispringer Markus Eisenbichler war am Donnerstag zu Gast in der BR-Sendung "Ringlstetter". Aus sprachlicher Sicht sind die Auftritte des Eisei, wie sie ihn daheim nennen, meistens sehr erbaulich. Eisenbichler ist bekannt für seine unverfälschte Siegsdorfer Mundart. Aufsehen erregte er bei der Vierschanzentournee, als er bei einem ZDF-Interview erklärte, warum er seine Führung nicht verteidigen konnte. "I war echt nervös", sagte er, "weil de andern Affen da oben sagen, dass der Kobayashi führt." Das habe ihn gelähmt: "Und do hockst halt aufm Balken und denkst dir, du Zipfe, gib a Ruah!"

Auf Ringlstetters Frage, ob er denn keinen Respekt verspüre, wenn er auf einer Skiflugschanze stehe, sagte der Eisei: "Da hast extremen Respekt, weilsd woast, wos passiern ko, wenns de do mal waffelt, des duad richtig weh." Das Verb waffeln für stürzen ist originell und in den Wörterbüchern kaum zu finden. Im südlichen Bayern sagt man nach einem Sturz: Den hat's mit dem Radl gstraht (langes helles a) oder gstransed (auch hier langes helles a). Waffel hat im Dialekt auch substantivisch eine ureigene Bedeutung. Damit bezeichnet man ein freches Mundwerk und eine vorlaute Goschn. Wenn einer nervt und ruhig sein soll, sagt man: "Halt dei Waffel!"

zeam

Leser Günter Lipp hat mitgeteilt, es sei ihm aus seiner Jugendzeit das Wörtlein zeam in Erinnerung geblieben. Es war ein prägender Begriff in der Münchner Stadtsprache. In Klaus Lemkes Spielfilm "Amore" von 1978, in dem Cleo Kretschmer die Hauptrolle spielt, sagt Peter Kienberger, der Cleos Vater mimt, als die Tochter nach einer durchfeierten Nacht zum Frühstück erscheint: "Ja host du heut einen Rausch, ja zeam sog i." Vor 30 Jahren war also das alte Adjektiv "zeam" noch allgemein verständlich. Dessen Wurzeln reichen wohl bis zum althochdeutschen "gizâmi" zurück. Zeam drückt ein starkes bayerisches Gefühl aus. Das Wörterbuch von Ringseis listet dazu auf: zünftig, bodenständig, urwüchsig, gemütlich. "Heit iss zeam" heißt: Heute ist es zünftig. "A zeame Musik" klingt ruhig und angenehm. Im Film "Amore" bezeichnet der Vater Cleos Zustand als zeam, er vergönnt er ihr also den Rausch von Herzen. "Ich war ja auch einmal jung", sagten damals tolerante Väter, die im Wirtshaus selber gern über die Stränge schlugen.