Kratzers Wortschatz:Stingade Pfarrer

Aussa mim Flins! Das legte eine twitternde Dame ihren Followern nahe, um eine schwächelnde Zeitschrift zu retten. Das könnte funktionieren, wenn da bloß nicht die Stinkwanzen wären

Kolumne von  Hans Kratzer

Flins

Wer sich für das Land Bayern und seine Phänomene interessiert, macht keinen Fehler, wenn er hin und wieder einen Blick in die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift MUH wirft. Diese widmet sich bayerischen Aspekten jeglicher Couleur, weshalb das Blatt Fans und Stammleser in aller Welt hat. Aber trotzdem leidet die Auflage unter Schwindsucht. "Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig", sagt Redaktionsleiter Josef Winkler. In der soeben erschienenen 41. Ausgabe bat das Blatt deshalb um Spenden, ein Anliegen, das Leserin Maximiliane Heigl auf Twitter unterstützte: "MUH ist Grundversorgung! Aussa mim Flins!", legte sie ihren Followern nahe. Sie meinte damit: Investiert euer Geld in diese Zeitschrift!

Flins ist ein Synonym für Geld, ähnlich wie die in der Umgangssprache beliebten Begriffe Gerstl, Moos, Kohle, Diridari und Kies. Der Autor Thomas Grasberger hat vor einigen Jahren ein Buch zum Thema Flins veröffentlicht. Sein Fazit lautet: Der eine hat ihn, der andere nicht. Außerdem umfasse er Phänomene wie Gier und Geiz, Prunk und Not, und alle jagten ihm nach, obwohl man den Flins am Lebensende ja doch nicht mitnehmen könne. Kurios ist zudem, dass die himmlische Flinsbeauftragte, also die Schutzpatronin des Flinses und der Schatzgräber, ausgerechnet die heilige Corona ist. Wer in Geldnöten steckt, kann sie jederzeit um Fürsprache bitten - die Frage ist nur, ob sie in der jetzigen Pandemie überhaupt Zeit dafür hat.

Stingada Pfarrer

Als neulich ein paar Bekannte bei Kaffee und Kuchen unterm Apfelbaum saßen, flog plötzlich ein seltsamer Brummer über die Köpfe hinweg. Ein junger Gast wusste das Tier zu identifizieren. "Das war ein stingada (stinkender) Pfarrer", sagte er ganz beiläufig. Jetzt war klar, dass es sich um eine Stinkwanze gehandelt hatte, ein Tier, das zwar fliegerisch Eindruck macht, aber ansonsten harmlos ist. Es gibt grüne und braune Stinkwanzen. Ihr Name rührt von daher, dass sie ein stinkendes Sekret absondern, wenn sie unter Stress stehen. Man sollte also beim Einfangen vorsichtig mit ihnen umgehen, damit sie nicht in Panik geraten. Dass sie stingada Pfarrer genannt werden, liegt daran, dass ihr Rücken so geformt ist, als trügen sie einen pfarrerähnlichen Mantel oder Umhang.

© SZ vom 31.07.2021
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