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Kratzers Wortschatz:Ein Scherzl schmeckt auch ohne Mascherl

Das Endstück vom Brot nennt der Bayer gerne "Scherzl". "Aufbrezeln" hat indes weniger mit Backkunst zu tun

Scherzl

Eine bekannte Münchner Bäckerei bewirbt ihre Brotwaren mit dem Argument, sie schmeckten bis zum Scherzl. Das ist genusstechnisch erfreulich, erst recht aber mit Blick auf das Überleben der Münchner Sprachtradition. Schließlich benützt die Bäckerei das wunderbare alte Wort Scherzl. Darunter versteht man die Randstücke des Brotlaibs, also den Anschnitt oder das Reststückerl des Weckens - für manche Genießer ist das die größte Delikatesse überhaupt. Auf ihrer Internetseite definiert die Bäckerei das Scherzl als "das letzte Stück des Brots mit besonders viel Kruste". In Schwaben kennt man dieses Brotscherzl als Giggl oder Reifle, in Franken als Knorz oder Kuppe, in der Oberpfalz als Ranftl. Auch zum Endstück eines Laibs Leberkäs sagt man Scherzl. Allerdings hat der BR-Journalist Gerald Huber neulich im SZ-Interview der aufkeimenden Scherzl-Euphorie einen Dämpfer verpasst. Huber erzählte, er habe an einer Münchner Fleischtheke eine Bitte geäußert: "Ich hätt' gern ein Scherzl vom Leberkäs für mei Semmel!" Leider hat die Verkäuferin den Kunden Huber partout nicht verstanden.

Mascherl

In der Vorwoche ist an dieser Stelle bei der Betrachtung des Verbs aufbrezeln der Eindruck erweckt worden, es handle sich um eine hiesige Wortvariation. "So ein Schmarrn!", hat uns daraufhin Niko Schuller geschrieben. Aufgebrezelt könne nicht bairisch sein. "Ich esse auch keine Brezeln, sondern Brezen", argumentierte er. Aufgebrezelt stamme aus der heute üblichen, norddeutsch geprägten Jugendsprache. "In Bayern sagt man aufgmascherlt", schreibt Schuller, denn früher seien kleine Mädchen an Sonn- und Feiertagen mit Schleifen (Mascherl) im Haar oder an den Zöpfen hübsch gemacht worden. Tatsächlich werden Zöpfe durch Mascherl (althochdeutsch masca=Geknüpftes) zusammengehalten. Zu feierlichen Anlässen hat man sich ein Mascherl ins Haar gebunden. Auch ein Geschenk kann man mit einem Mascherl schmücken. Und auf lustigen Festen wird gerne das beliebte Frau-Meier-Lied angestimmt: "Frau Meier, Frau Meier hat a gelbe Unterhosen an - mit rote Mascherln dran . . ."