Kratzers Wortschatz:Der Massl, das Massl und die Bierdimpfl

Warum Horst Seehofer als Ministerpräsident gut daran tat, dass er einst einen Mann in sein Kabinett holte, der das Glück schon in seinem Namen führte

Kolumne von Hans Kratzer

Massl

Marcel Huber (CSU), ehemaliger Leiter der Staatskanzlei und bekennender Dialektsprecher, hat am Freitag die Bairische Sprachwurzel erhalten. Huber hatte als Minister auch deshalb Popularität genossen, weil der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer immer vom "Massl Huber" sprach. Sepp Obermeier, der die Sprachwurzel überreichte, interpretierte das als ungewolltes Eingeständnis Seehofers, dass er mit dem ehemaligen Ampfinger Feuerwehrkommandanten als Krisenmanager ein unverdientes Glück hatte. Im Bairischen bedeutet das Wort Massl nämlich Glück (jiddisch Massel). Es drückt die Flüchtigkeit des Glücks etwas vornehmer aus als das derbere Wort Dusel. Für das Ansehen und die gesellschaftliche Akzeptanz der bairischen Sprache sei der Huber Marcel in jeder Hinsicht ein Massl, würdigte Obermeier den Preisträger im Namen des Bundes Bairische Sprache.

Bierdimpfl

Nach zwei Jahren Pause sind manche schon entwöhnt von der Wiesngaudi. Aber jetzt sind Volksfeste wieder erlaubt. Das hat das bayerische Kabinett am Donnerstag beschlossen. Welch eine fantastische Nachricht für die Gattung der Bierdimpfl, die auch in dieser Zeitung immer wieder in ihrem Dasein und in ihrer Fähigkeit zur Kontemplation gewürdigt werden. Kürzlich war in der SZ zu lesen, der Begriff Bierdimpfl komme daher, dass der Biertrinker felsenfest auf seiner Bierbank verharrt und still vor sich hin dimpfelt. Anderer Meinung ist diesbezüglich Marcus Maximilian Muhr, der uns darauf hingewiesen hat, der Bierdimpfl komme keineswegs von jenen, die vor sich hindimpfeln. Vielmehr sei timpfė ein altes Wort für eine tiefe Stelle im Wasser oder für einen Strudel. Es gehe zurück auf das mittelhochdeutsche Wort tümpfel, das wortgleich mit dem Tümpel ist, nur eben mit der für den hiesigen Sprachraum typischen Verschiebung des p zum pf. Der Bierdimpfl (piartimpfė) ist laut Muhr also einer, der das Bier aufnimmt wie ein Wasserstrudel. Vergleichbar einem Gulli - weshalb Leute, die viel Bier in sich hineinschütten, gelegentlich auch so bezeichnet werden: "Der säuft wie ein Gulli."

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