Kratzers Wortschatz:Als die Jugend noch zum Barras musste

Das Militär spielt in der Bundesrepublik nur noch eine nachrangige, kaum beachtete Rolle. Deshalb verschwinden auch einschlägige Begriffe. Das Wort Barras etwa, dem Wehrpflichtige bis vor wenigen Jahrzehnten nur mit Mühe entkamen.

Barras

Vor Kurzem war in einem Leitartikel der SZ zu lesen, in Deutschland sei die Welt des Militärs von den Lebenswelten vieler Milieus so weit entfernt wie nie zuvor. Es habe noch nie einen so unmilitärischen deutschen Staat wie die Bundesrepublik gegeben. In diesem Sog verschwindet damit auch ein Wort, das bis zur Abschaffung der Wehrpflicht (2011) noch fester Bestandteil der Alltagssprache war. Kaum ein junger Mann, der damals nicht gefragt wurde: "Warst schon beim Barras?" Und wenn ein Heranwachsender unordentlich war, dann hieß es: "Beim Barras werden sie dir schon Ordnung beibringen." Die Herkunft des Wortes Barras ist nicht ganz geklärt. Seit gut 150 Jahren bezeichnet es die Armee und das Militär, vor allem galt es als Synonym für die Wehrmacht. Aber auch zu Bundeswehrzeiten sprach man noch vom Barras. Zur Wehrpflicht einberufen zu werden, das hieß: Ich muss zum Barras. Eine Theorie besagt, das Wort leite sich von dem schillernden französischen Staatsmann Paul de Barras (1755-1829) ab. Zu dessen Zeit wurden die Soldaten noch mit Prämien angeworben. Man verdingte sich also beim Barras. Eine andere Erklärung ist eine Ableitung aus dem Jiddischen: Dort bezeichnet "baras" eine Art Fladenbrot, welches als Verpflegung der Soldaten diente.

Erpfl

Erpfl, ein Synonym für Kartoffel, ist zum oberfränkischen Wort des Jahres 2021 gekürt worden. Wegen der Abschwächung der unbetonten Nebensilben wurde aus dem Dreisilber Erd-ap-fel der Einsilber Erpfl. In Südbayern ist der Erdapfel noch geläufig. In Unterfranken heißt die Kartoffel Grumbrö (Grundbirne), in Schwaben sagt man Grundbir (Grumbbra), Erdbir und Bodenbir. Grundbirnen gibt es auch im Rupertiwinkel, nördlich von Nürnberg nennt man sie Potacken, nördlich von Ingolstadt sogar Bumser.

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