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Kommentar:Ein Sieg der Lobbyisten

Die meisten Kolbermoorer wollen vom Sterben nichts wissen - zeitlich wie räumlich. So haben sie nach dem Floriansprinzip entschieden, denn immer mehr Menschen wünschen eine Einäscherung nach ihrem Tod. Aber halt woanders

Die Menschen in Kolbermoor stimmen schon seit vielen Jahren dauernd darüber ab, was nach ihrem Tod mit ihren Leichen geschehen soll. Die freie Wahl zwischen Erdbestattung und Einäschern haben selbst die obrigkeitsfrommsten Katholiken schon seit 1963. Die Mehrheit hat sich da mit der Zeit verschoben, doch zuletzt entschieden sich auch in Kolbermoor rund zwei Drittel der Menschen für das Einäschern. Dass beim Bürgerentscheid am Sonntag gleichzeitig 60 Prozent gegen den Bau eines Krematoriums gestimmt haben, zeigt zunächst, dass es sich mit solchen Krematorien auch nicht anders verhält als mit Verkehrswegen oder Mülldeponien: Wenn es sie schon unbedingt braucht, dann jedenfalls bitte nicht hier bei mir.

Zugleich offenbart sich darin auch, dass viele Menschen den Tod nicht nur zeitlich, sondern inzwischen auch räumlich auf maximaler Distanz halten wollen. Da mag schon die Feuerbestattung als solche ein Versuch sein, alle sterblichen Überreste möglichst rückstandslos verschwinden zu lassen. Aber stattfinden soll so eine Einäscherung am besten auch noch weit außer Sicht. Zur menschlichen Urangst vor dem eigenen Tod kommt die Angst vor giftigen Rückständen bei der Verbrennung von anderer Leute Leichen. Diese Angst wurde fleißig geschürt, unter anderem von Erdbestattungslobbyisten, die Kolbermoor zum kommunalpolitischen Präzedenzfall machen wollten. Das ist ihnen fürs Erste gelungen. Aber eingeäschert wird dann eben woanders.