Kloster Wessobrunn:Schwierige Suche nach einem Käufer

Mit dem Verkauf an Martina Gebhardt endet für die Missions-Benediktinerinnen von Tutzing, die das Kloster im Dezember 2012 verließen, eine schwierige Suche nach einem neuen Eigentümer. In den vergangenen 40 Jahren besuchten etwa 16 000 Besucher im Jahr die wertvollen Flure und Räume. "Daher stand der Verkauf unter einer großen öffentlichen Aufmerksamkeit", sagt die Priorin Schwester Hildegard Jansing. Die Bürger von Wessobrunn, Pilger und Touristen sollten auch weiterhin Zugang zum Kloster haben - "keine einfachen Faktoren, wenn es um den Verkauf geht". Weder die Staatsregierung noch die Diözese Augsburg, in der das Kloster liegt, wollten die Immobilie kaufen.

Der neue Besitzer sollte die Anlage als Gesamtes erhalten, die Historie wertschätzen und die Spiritualität des Ortes nicht aufgeben, wünschten sich die Benediktinerinnen. "Es gab mehrere Interessenten, aber wie sollen diese Anforderungen in einem Investor gebündelt werden?", sagt die Priorin.

Verhandlung zog monatelangen Streit nach sich

Das Konzept einer Akademie für Stuckateure und Kirchenmaler lehnte die Regierung ab. Die Verhandlungen mit dem Betreiber einer Klinik für psychosomatische Erkrankungen zog monatelangen Streit nach sich. Der Investor wollte das gesamte Terrain kaufen, ein Teil der Klosteranlage gehört allerdings der Pfarrgemeinde, die sich sträubte. Am Schluss drängte sogar Bischof Konrad Zdarsa zum Verkauf.

Doch dann meldete sich eine Frau, die im Nachbarort seit mehr als 30 Jahren Kosmetik ohne Chemie und Tierversuche produziert und über Bioläden und an Kosmetiker vertreibt. Die das Altern mit Weisheit und Schönheit gleichsetzt und deshalb eine Kosmetiklinie namens "Happy Aging" entwickelt hat. Die sich ein bisschen esoterisch anhört und gleichzeitig gerne Motorflugzeug fliegt. Und die sich gerne schwieriger Gebäude annimmt, um etwas Neues daraus zu machen.

Plötzlich öffnen sich Türen wie von Geisterhand

Für die Missions-Benediktinerinnen passte diese Frau zu ihrem Kloster. "Dann kam Frau Gebhardt, mit Sachverstand, Liebe zum Bau, als jemand aus der Nähe, der keine Ängste schürt, sondern einen Vertrauensvorschuss bekommt - und plötzlich öffnen sich die Türen fast lautlos wie von Geisterhand", sagt die Priorin.

Martina Gebhardt hatte nur durch Zufall von dem Verkauf erfahren. Sie hat zwar ihr Unternehmen im Nachbarort, wohnte aber in den vergangenen zehn Jahren auf einer Farm in New Mexico, weit weg von der deutschen Geschäftigkeit, aber ganz in der Nähe der Schauspielerin Julia Roberts, wie sie erzählt. "In Amerika ist Kreativität ganz wichtig", sagt sie.

Fünf Millionen Euro Umsatz macht ihr Unternehmen im Jahr. Als sie im August 2013 wieder einmal in Pessenhausen war, erfuhr sie, dass das Kloster nebenan zum Verkauf stand. "Ich konnte es nicht glauben, ich dachte, so etwas sei eine Gemeinschaftsaufgabe", sagt sie. Am Computer las sie von den Streitigkeiten in der Gemeinde - und schickte sofort ein Exposé nach Wessobrunn.

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