Kloster Ettal zahlt Entschädigung 700.000 Euro für Missbrauchsopfer

Die Benediktinerabtei Ettal zahlt eine Entschädigung an missbrauchte ehemalige Klosterschüler. 70 Opfer erhalten insgesamt 700.000 Euro. Außerdem soll der Skandal wissenschaftlich aufgearbeitet werden.

Das Benediktinerkloster Ettal will 70 Opfer von sexuellem Missbrauch und körperlicher Misshandlung mit insgesamt 700.000 Euro entschädigen. Der Verein Ettaler Missbrauchsopfer lobte am Dienstag das Entschädigungsmodell.

Kloster Ettal entschädigt 70 Opfer.

(Foto: SZ DIVERSE)

Der Skandal soll nun auch wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Wie die Abtei am Dienstag mitteilte, sollen die Opfer Beträge zwischen 5.000 und 20.000 Euro erhalten. Die Höhe der Entschädigungen sei durch ein vom Kloster eingesetztes, unabhängiges Kuratorium festgelegt worden.

"Wir sind uns bewusst, dass wir mit den geleisteten Hilfen nicht allen Wünschen der Betroffenen gerecht werden können", heißt es in der Mitteilung der Benediktiner wörtlich. Die Auszahlung des Geldes werde derzeit vorgenommen. Die Missbrauchsopfer hatten dem Kloster zufolge bis 30. Juni Zeit, einen Antrag auf Entschädigung zu stellen. Die Misshandlungen von Schülern durch Ordensbrüder sollen sich in der Zeit von 1945 bis in die 80er-Jahre ereignet haben.

Der Verein der Missbrauchsopfer würdigte in einer Stellungnahme "Mut und Anstand" der Ettaler Benediktiner bei der Aufarbeitung des Skandals. Mit den Entschädigungszahlungen setze das Kloster Maßstäbe. Im Vergleich dazu sei das von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossene Entschädigungsmodell eine "Zumutung", hieß es in der Mitteilung.

Während Kloster Ettal jedem Opfer durchschnittlich 10.000 Euro gewähre, hätten die Bischöfe lediglich Beträge zwischen 2.000 und 5.000 Euro festgelegt. Unterdessen beginnt auch die wissenschaftliche Aufarbeitung des im Februar 2010 publik gewordenen Skandals.

In Abstimmung mit dem Verein der Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer sei das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) mit einer Untersuchung beauftragt worden, teilte die Abtei mit. Der Bericht des IPP soll demnach bis Sommer 2012 vorliegen. Die Ergebnisse wolle man in ein bereits laufendes Präventionskonzept des Klosters einfließen lassen, hieß es weiter.