Kiefersfelden:Zu viel Watt

E-Gefährte im Grenzverkehr

Schwer zu schieben hatte er nicht, aber seine erste größere Ausfahrt mit dem neuen Gefährt hatte sich der 44-jährige Österreicher wohl anders vorgestellt. Er geriet hinter der Grenze mit seinem elektrischen Tretroller in eine Kontrolle der Kiefersfeldener Polizei, und die Beamten klärten ihn darüber auf, dass er für den 25 Stundenkilometer schnellen Roller hierzulande eine Versicherung samt Kennzeichen braucht, und ließen ihn zurück zur Grenze schieben. Dort konnte er wieder aufsteigen, denn solche Roller werden in Österreich behandelt wie Fahrräder, versicherungsfrei, ohne Nummer, ganz nach Gusto. Zu solchen Fällen komme es in Grenznähe immer wieder, sagt der Kiefersfeldener Inspektionsleiter Stefan Raithel. Erst neulich habe man einen Deutschen mit einem Elektroroller angetroffen, den er sich offenbar besten Gewissens in Kufstein gekauft hatte. Das reine Gewissen half ihm so wenig wie die Mitgliedschaft beider Länder in der EU. Die Regularien für viele Fahrzeuge sind verschieden, was sogar für die beliebten E-Bikes gilt.

So könnte es einem Biker, der sich droben in den Bergen mit allzu vielen Watt über die grüne Grenze helfen lässt, ähnlich gehen wie den Rollerfahrern im Tal. Denn in Deutschland dürfen derlei E-Bikes oder präziser Pedelecs nur mit höchstens 250 Watt und bis maximal 25 Stundenkilometer beim Treten mithelfen, während in Österreich bis zu 600 Watt drin sind. Auch Zweiräder mit der gleichen Leistung, bei denen der Fahrer gar nicht selber treten muss, gelten dort rein rechtlich als Räder. Die unterschiedliche Terminologie da und dort macht alles nicht einfacher. Für die Kollegen sei das jedenfalls schon kompliziert, sagt der Kiefersfeldener Inspektionsleiter. Es gebe da "ein bisschen eine Grauzone" und speziell bei den Wattzahlen wohl auch eine gewisse Dunkelziffer. Alle paar Wochen habe man mit solchen Fällen zu tun. Im Rosenheimer Polizeipräsidium hat das Thema noch keine großen Kreise gezogen, und auch im Münchner Innenministerium zeigt man sich gelassen. Einig sind sich alle Ebenen aber darin: Ernst wird es, wenn sich nach einem Unfall Haftungsfragen stellen.

Was die E-Tretroller betrifft, so sollen nun immerhin 15 Stück legal durch Bamberg fahren dürfen. Die Stadtwerke und die Firma Bird haben dafür nach eigenen Angaben eine Sondergenehmigung vom Straßenverkehrsamt erhalten. Bird will die Roller zunächst testweise zum Verleih anbieten. Den Startschuss will Oberbürgermeister Andreas Starke am Freitag geben.

© SZ vom 14.03.2019 / kpf, dpa
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