"Jagdstaffel" löst sich auf Rechter Rückzug

Laut Verfassungsschutz hat sich die "Jagdstaffel D.S.T." selbst aufgelöst. Womöglich aber nur zum Schein. Denn: Die rechtsextreme Kameradschaft kam damit einem möglichen Verbot zuvor.

Von Matthias Köpf

Ihr Auftreten war so martialisch wie die Luftabwehrkanone auf dem Rücken ihrer schwarzen Lederkutten, wenn sich die Mitglieder der Geretsrieder "Jagdstaffel D.S.T." in den vergangenen beiden Jahren in Springerstiefeln und anderen einschlägigen Accessoires an Neonazi-Aufmärschen beteiligten. "Deutsch. Stolz. Treu" sollen die drei letzten Buchstaben bedeuten, doch wie treu sich die Jagdstaffel selbst bleibt, ist unklar.

Nach den Erkenntnissen des bayerischen Verfassungsschutzes hat sich die rechtsextreme Kameradschaft am 8. Juli per Mitgliederbeschluss aufgelöst. Ob dies jedoch nur zum Schein geschehen ist, lässt der jüngst von Innenminister Joachim Herrmann vorgelegte Halbjahresbericht der Verfassungsschützer ausdrücklich offen.

Die Gruppe, die Ende 2009 als "Jagdstaffel Süd" in einem Geretsrieder Lokal gegründet worden war, stand Anfang Mai im Zentrum einer Razzia, bei der 300 Polizisten in München, Wolfratshausen, Geretsried und anderen Oberlandgemeinden die Wohnungen und Arbeitsplätze von mindestens 16 Mitgliedern und Sympathisanten der Jagdstaffel nach Waffen durchsuchten.

Die Ermittlungen dauern an, haben nach Einschätzung der Verfassungsschützer aber schon jetzt zur Selbstauflösung der Jagdstaffel geführt, die damit einem möglichen Verbot zuvorkommen wolle. Vor der Durchsuchungsaktion war bekannt geworden, das zwei Mitglieder der Jagdstaffel in der Schweiz eine Scheinfirma gegründet hatten, um sich Zugang zu Waffenmessen zu verschaffen.

Einer der Firmengründer war Dominik B., der dem Rechtsterroristen Martin Wiese eine Kalaschnikow mit Munition besorgt hatte, als Wiese 2003 einen Anschlag auf die Synagoge in München vorbereitete. B. beteuerte vor Gericht, dass er dem Rechtsextremismus abgeschworen habe und kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Andere Mitglieder der Jagdstaffel übten an Schießständen in Tschechien oder posierten auf Fotos im Internet mit verschiedenen Waffen. Auf eigene öffentliche Auftritte hat die Jagdstaffel stets verzichtet, dafür nahmen die Mitglieder in ihren Kutten regelmäßig an Feiern und Aufmärschen anderer Neonazi-Gruppen teil, wo sie gelegentlich als Ordner auftraten. Einen Sinneswandel hat es trotz der Auflösung jedenfalls nicht bei allen Mitgliedern gegeben. Mindestens ein Mitglied soll fast zwei Wochen nach dem 8. Juli bei einer Neonazi-Kundgebung im Landsberg gesehen worden sein.