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Interview: Pauli und ihre Partei:Türkei als Vorbild

sueddeutsche.de: Welche konkreten Pläne haben Sie noch?

Beim Politischen Aschermittwoch ließ sie sich noch feiern: Nun will Gabriele Pauli eine eigene Partei gründen.

(Foto: Foto: dpa)

Pauli: Es gibt viele Entscheidungen und Verhaltensweisen, mit denen Politiker nicht mehr dem Menschen dienen. Viele Bürger drücken ihren Unmut darüber zum Beispiel in einer Wahlenthaltung aus. Da sollten wir nachfragen, ob das Parteiensystem noch in dieser Form zu uns passt, das letztendlich nur einigen wenigen Menschen zur Machtsicherung dient.

sueddeutsche.de: Wie wollen Sie die Menschen zum Wählen motivieren?

Pauli: Man kann außerhalb dieses starren Wahlsystems eigentlich wenig bewegen. Wir bekommen immer die gleichen Politiker präsentiert. Es sollten auch Bürger, die nicht lange in einer Partei gedient haben, kandidieren können. In der Türkei zum Beispiel kann man sich in einem Wahlkreis ohne Partei antreten: Wer die 50 Prozent in einem Stimmkreis schafft, ist direkt gewählt. Man braucht keine Riesenorganisation im Rücken.

sueddeutsche.de: Das wollen Sie jetzt also auch so machen?

Pauli: Wir sollten neue Gedanken zulassen und Wege suchen, dass die Mitwirkung von Bürgern unkomplizierter wird. Viele fragen sich doch, ob das wirklich die Besten sind, die über diese Parteischienen nach oben kommen.

sueddeutsche.de: Werden Sie Ihr Mandat im Bayerischen Landtag behalten?

Pauli: Das Landtagsmandat behalte ich natürlich weiterhin. Es ist ja demokratisch entstanden. Ich bin schließlich vom Bürger mit großem Rückhalt gewählt. Wieso sollte es da ein Problem sein, für die Freien Wähler weiter im Landtag tätig zu sein?

sueddeutsche.de: Was sagen Sie zu dem Ergebnis der CSU - jener Partei, deren Mitglied Sie jahrelang waren?

Pauli: Bei der Wahlbeteiligung hatte die CSU nur ein Fünftel der Wähler hinter sich. Das war schon bei der Landtagswahl der Trugschluss - selbst als die Partei die Zweidrittelmehrheit hatte, stand trotzdem nur etwas mehr als ein Drittel der Bürger hinter ihr. Die Angst, Regionalpartei zu werden, hat die CSU zu immensen Wahlkampfausgaben veranlasst. Das steht in keinem Verhältnis zu dem dann doch geringen Wahlergebnis. Auch wenn ich heute noch bei der CSU wäre, würde ich darauf hinweisen. Euphorie kann trügerisch sein.

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