Interview mit DJ Hell München ist nicht nur Spider Murphy Gang

Haben sich die 35 Jahre in den Clubs auf Ihr Gehör geschlagen?

DJ Hell hatte auch mal seinen eigenen Club: Die "Villa" in Traunstein. Heute fliegt er lieber um die ganze Welt, um in angesagten Clubs aufzulegen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ja, das merkt man schon. Und ich kenne keinen Kollegen, der keine Beschwerden hat. Viele müssen deshalb im hohen Alter aufhören.

Aber ans Aufhören denken Sie noch nicht?

Nein, ich bin ja mittendrin. Ich sehe es eher als Verpflichtung weiterzumachen und mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben. Die Förderung junger Talente hat ja bei meinem Label Gigolo Records seit 15 Jahren oberste Priorität.

Gibt es in München heute Künstler, die Potenzial haben?

Ja, sogar sehr viele. Es gibt etwa Labels wie Gomma oder Compost. Und auch Clubs wie das Harry Klein, das international viel Ansehen genießt. Hier hat sich ein richtiger Harry-Klein-Sound entwickelt. Oder neue DJs wie Schlachthofbronx, die international für Aufmerksamkeit sorgen. München hat Potenzial - und seit Giorgio Moroder auch weltweit einen wichtigen Teil zur Musikkultur beizutragen. München ist nicht nur Spider Murphy Gang und die Münchener Freiheit.

Haben Sie ein persönliches Münchner Club-Ranking?

Damals die Registratur, die gibt es ja leider nicht mehr. Und heute das Bob Beaman, das ist so, wie ein Club sein sollte. Aber auch die Rote Sonne ist ein wichtiger Club und hat sehr gutes Booking, genauso wie das Pacha. Auch das Kong ist sehr beliebt.

Also ist München gar nicht so konservativ und spießig wie sein Ruf?

Spießig? Rückständig? Wer sagt denn das?

Die Berliner.

Bei den DJs hat München keinen schlechten Ruf. Zudem: Die Künstler, die die Berliner Techno-Szene Anfang der Neunziger aufgebaut haben, kommen nicht aus Berlin, sondern aus Wiesbaden, Münster, München oder sogar aus Erding.

Aus Erding?

Ja, DJ Rok, die Terrordiva. Er war lange Zeit in den Neunzigern der führende deutsche Techno-DJ. Dass er aus Erding kam, hat er in Berlin nicht groß promotet.

Sie haben einmal über München gesagt: "Ich hatte immer das Gefühl, dass ich zu wenig zurückbekomme." Ist München undankbar?

Das habe ich mal gesagt, und das habe ich auch mal so empfunden. Wir Kulturschaffenden wurden von der Stadt nie groß wahrgenommen oder unterstützt. Gerade im Nachtleben, egal ob als Veranstalter oder DJ, als Produzent oder Booking-Agentur, war man in München immer ein Einzelkämpfer. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.