Interview mit DJ Hell Chiemsee und Ibiza

Wie viel Zeit verbringen Sie nun in München und wie viel in Berlin?

Diabolischer Name? Nein. Hell kommt von Helmut, nicht von Hölle. Bürgerlich heißt DJ Hell nämlich Helmut Geier.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ich entscheide das spontan nach meinen Auftritten am Wochenende. In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich oft für München entschieden. Wenn ich früher am Sonntag nach zwei Auftritten zurück nach Berlin gekommen bin und mit dem Fahrrad nachts in Mitte herumgefahren bin, habe ich mich dort sehr zu Hause gefühlt. Das Feeling ist irgendwann verloren gegangen.

Jetzt fühlen Sie sich wieder mehr als Münchner?

Ich war immer Münchner im Herzen. Ich galt sicher auch als Münchner in Berlin. Und als ich 2003 in New York wohnte und arbeitete, hatte ich das gleiche Gefühl.

Geboren sind Sie in Altenmarkt am Chiemsee. Sind Sie noch oft dort?

Wenn es so heiß ist, fahre ich gerne raus zum Chiemsee, dort habe ich ein kleines Haus mit großem Garten gemietet. Das schätze ich sehr, denn dort bin ich geboren. Als mir das angeboten wurde, habe ich meine Wohnung in Berlin aufgegeben und die Einrichtung dort eingebaut. Das Haus ist komplett auf dem Land, neben Bauerhöfen und einsamen Wäldern und kleinen Badeseen. Wenn ich in Berlin verweile, wohne ich mittlerweile nur noch im Hotel.

Mal auf Tour, mal München, mal Berlin - das klingt sehr nach Single-Leben. Oder reist die Frau mit?

Meine Freundin reist mit. Es ist ja oft schwierig, weil ich ja immer am Wochenende arbeite und sie während der Woche. Aber sie fährt oft zu meinen Auftritten mit. Wenn ich jetzt im September wieder meine Resident-Shows im Space und Pacha spiele, ist sie natürlich dabei.

Angefangen haben Sie als DJ 1978 in der "Stiege" in Trostberg und im "Libella" in Kirchweidach. Damals haben Sie noch eine andere Art von Musik aufgelegt?

Kann man jetzt nicht so sagen, damals habe ich auch schon Klaus Nomi aufgelegt. Und jetzt, zu seinem 30. Todestag, habe ich ein Remix zu seinem "Cold Song" gemacht. Ich glaube, ich habe immer eine klare Handschrift beibehalten.

Wann sind Sie dann nach München gekommen?

Anfang der Achtzigerjahre habe ich versucht, in den Münchner Clubs wie dem Tanzlokal Größenwahn Fuß zu fassen. Aber die haben natürlich auf einen Land-DJ nicht gewartet.

Aber die Clubszene in München war ja damals nicht unbedingt lebendig?

In meinen Augen schon, wir sind jeden Tag ausgegangen. Unser Motto war: Irgendwo gibt es immer eine Party. Es gab das Größenwahn, das Why Not, das Lipstick oder das Baader Café als Treffpunkt. Aber die Münchner sind natürlich auch viel rausgefahren aufs Land, ins Libella oder in den Circus Gammelsdorf.

Und in München?

Man möchte es heute kaum glauben, im P1 hat ein großartiger DJ namens Lupo aufgelegt. Wir sind wirklich ins P1 zum Tanzen gegangen. Lupo war damals einer der besten DJs in Deutschland. Die passenden Klamotten haben wir damals extra in London gekauft. Wir kannten die Türsteher gut, mit denen waren wir befreundet, sonst hätten wir keine Chance gehabt, da vorbeizukommen. Dann gab es noch das Parkcafé, den Wolkenkratzer, das Babalu, die Negerhallen. Ich finde schon, dass es damals eine intakte Partyszene gab.